Von Meinhard Miegel

Diether Stolze glaubt an die Kraft des Wortes. Das ist verständlich bei einem Manne, der lange Jahre Chef des Wirtschaftsressorts und dann Mitherausgeber der ZEIT war, kurzzeitig Helmut Kohl als Regierungssprecher diente und heute einer seiner wirtschaftspohtischen Berater ist. Politik ist für ihn zuallererst Psychologie und Suggestion. Dies klar erkannt zu haben, ist nach seiner Überzeugung die Wurzel der Erfolge Reagans und die Stärke Helmut Kohls.

Aufgabe der Politik ist nach Stolze, ihre Ziele zunächst in die Köpfe der Menschen zu hämmern. Dann werden Aufschwung, Wohlstand und Sicherheit auch zur Realität. Wer an die Zukunft glaubt, der hat sie. Allzu differenziertes Fragen, Tasten und Suchen ist in der Politik nur hinderlich. Frisch gewagt ist halb gewonnen. Wenn wir Deutschen nur wollen, können wir schon bald wieder ganz, ganz oben sein, kann nochmals ein „deutsches Jahrzehnt“ anbrechen, „in einem guten Sinn“ versteht sich.

Viele Leser werden sich an Stolzes „Die Zukunft wartet nicht“ Herz und Hände wärmen können. So politisch kompromißlos, so technologieenthusiastisch und zukunftsbeseelt hat schon lange keiner mehr geschrieben, jedenfalls nicht hierzulande. Vergleiche mit Herman Kahns euphorischer Zukunftsvision „Ihr werdet es erleben“, aber auch mit seinem Buch „Die Zukunft Deutschlands“ erscheinen durchaus statthaft.

Nicht wenige werden aber auch erschrecken, sich vor Stolzes „Aufbruch in die neunziger Jahre“ ängstigen. Denn was er im Grunde fordert, ist Leistung, Leistung und nochmals Leistung, Disziplin und ein Schuß Askese. Die Gesellschaft muß die Schlacken des Wohlfahrtsstaates ausscheiden, um sich wieder wohl zu fühlen. Doch die Frage muß erlaubt sein, fühlt sie sich wirklich so unwohl mit diesen „Schlacken“?

Für Stolze ist die Antwort eindeutig. Sein politisches Leitbild ist Ronald Reagan. Was dieser für die USA vollbrachte, muß Helmut Kohl für Deutschland tun: entschlacken. Dies können nur Konservative. Dies ist ihre Zeit. Sie stehen an der Spitze des Fortschritts. Die Sozialisten sind hingegen reaktionär, rückwärtsgewandt. Ihre Uhr ist abgelaufen. Aber ehe sie von der Bühne der Geschichte abtreten, zerstören sie noch alles. Dies war so in Großbritannien und der Bundesrepublik und ist heute noch so in Frankreich. Wenn sie Schweden noch nicht zerstört haben, dann nur, weil dies ein reiches Land ist. Und in Österreich ist sowieso alles anders.

Den kritischen Leser wird vieles ein wenig holzschnittartig, überpointiert erscheinen: Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die Sicht der Gegenwart und die Einschätzung der Zukunft. Subtiles Abwägen ist nicht Stolzes Art. Verschlungene Argumentationspfade sind es noch weniger. Da nimmt er schon hin und wieder eine Abkürzung, auch wenn dies eigentlich nicht erlaubt ist.