Von Peter Christ

Es gibt wohl keine Niederlage, die BP-Chef Hellmuth Buddenberg nicht zum Sieg erklären würde. Welcher Manager wagt es schon, ohne jede Ironie, sondern voller Stolz sein Unternehmen als wohl „einzigartig auf der Welt“ zu bezeichnen, wenn es sich nur dank der Opferbereitschaft der Muttergesellschaft mal wieder über Wasser gehalten hat. Chuzpe oder blanker Optimismus? Wohl beides.

Wenn Buddenberg jetzt maritim-metaphorisch über die Deutsche BP sagt, „der Ballast ist weg, das Schiff ist klar“, muß man auch sein Motto kennen: „Mir geht’s gut. Und wenn es mir schlecht ginge, würde ich es nicht zugeben.“ Was aber nicht heißen muß, daß Buddenberg nicht felsenfest von seinen eigenen Worten überzeugt ist.

Es war ihm schon bitter ernst, als er 1982 nach ersten Sanierungsmaßnahmen sagte: „Wir haben das Ziel der Klasse erreicht.“ Im Juli 1983 glaubte Buddenberg, „daß wir 1984 über den Berg sind“. Er sprach sogar von einem kleinen Gewinn. Es kam ganz anders. Die fünf Raffinerien des Ölkonzerns machten 1984 rund 170 Millionen Mark Verlust. Deshalb muß die Deutsche BP im fünften Jahr ihrer Krise mit weiteren drastischen Maßnahmen um ihre Existenz kämpfen.

Ende des Jahres will das Unternehmen seine Raffinerie in Hamburg-Finkenwerder und die Raffinerie Hünxe bei Dinslaken stillegen. Beide Ölfabriken waren erst vor rund zwei Jahren für insgesamt hundert Millionen Mark umgerüstet worden. In der gemeinsam mit dem italienischen Ölkonzern Agip betriebenen Raffinerie in Ingolstadt (BP-Anteil fünfzig Prozent) wird die Rohölverarbeitung eingestellt. Für 45 Millionen Mark wird diese Raffinerie mit Veredelungsanlagen ausgerüstet und mit der acht Kilometer entfernt gelegenen BP-Raffinerie Vohburg durch eine Pipeline verbunden. Die Wirtschaftlichkeit beider Anlagen soll durch dieses Verbundsystem wachsen.

Deutschlands immer noch größter Ölkonzern verkümmert damit fast zum Ölhändler. Denn von den rund vierzehn Millionen Tonnen Ölprodukten, die BP in diesem Jahr auf dem deutschen Markt verkaufen will, kommen nur noch rund drei Millionen Tonnen aus eigener Herstellung. Der Rest wird zugekauft. Tausend Jobs gehen durch diese neuerliche Schrumpfkur bei BP verloren. Und weil das Unternehmen diesen Kraftakt kaum allein bewältigen könnte, springt die britische Muttergesellschaft mit 500 Millionen Mark ein, indem sie der kränkelnden Tochter ein Darlehen in gleicher Höhe erläßt. Hellmuth Buddenberg ist sicher, daß dies die letzte Finanzspritze aus London war, die seine Firma braucht.

Sollte er recht behalten, hätte sich The British Petroleum Company die Rettung der deutschen Tochtergesellchaft in den vergangenen fünf Jahren gut zwei Milliarden Mark kosten lassen. Trotz der Transfusion ist die Deutsche BP von heute nicht mehr der strahlende Konzern von 1979. Damals war BP nach der überraschenden Übernahme der Gelsenberg AG über Nacht zur Nummer eins der Branche avanciert. Das Unternehmen verkaufte fast 24 Millionen Tonnen Ölprodukte, die Raffinerien liefen auf Hochtouren, eine neue Tochtergesellschaft stieg ins Chemiegeschäft ein und mit Hilfe der Gelsenberg wollte BP vom Öl- zum Energiekonzern aufsteigen. Doch seit 1980, als zum bisher letzten Mal ein bescheidener Gewinn gemacht wurde, ging es bergab.