Von Erwin Brunner

Heilbronn

Sorgen um die Sicherheit seiner Stadt, nein, die mußte sich Manfred Weinmann, der Oberbürgermeister von Heilbronn, bislang nicht machen: „Die Amerikaner sagten immer, da könne nichts passieren, sie hätten alles fest im Griff.“

Im Griff hatten sie im Ernstfall nur den Telephonhörer. Als am 11. Januar in der amerikanischen Atomraketen-Basis „Waldheide“ – keine vier Kilometer vom Heilbronner Rathaus entfernt – beim Montieren einer „Pershing II“ der Treibsatz der ersten Antriebsstufe wie eine Höllenmaschine explodierte, konnten die schockierten Militärs nur mehr Feuerwehr und Rettung anrufen. Löschgerät zur Bekämpfung eines Raketenbrandes gab es in der Basis nicht.

Drei GIs kamen in dem Flammen-Inferno ums Leben, sechzehn weitere erlitten zum Teil schwere Brandverletzungen. Von Sicherheit konnte bei dem Spuk keine Rede mehr sein. Raketenteile wirbelten durch die Luft, „wie aufgeregte Hühner“ (so ein Augenzeuge) liefen Soldaten mit Schnellfeuergewehren herum. Als die deutschen Helfer wieder abzogen, wurden sie Mann für Mann gefilzt.

Wenige Tage nach diesem ersten schweren Unfall mit einer „Pershing II“ schrieb Brigadegeneral Raymond E. Haddock, der Befehlshaber aller Pershing-Einheiten in der Bundesrepublik, einen markigen Dankesbrief an den „Dear Herr Feurwehr Kommandant“: „Die Schnelligkeit, mit der Ihre Mitarbeiter auf den Notfall reagierten, war beeindruckend und lobenswert.“

Nicht minder schnell gingen der General und das Bonner Verteidigungsministerium an das Eindämmen der Angst, die der mysteriöse Unfall in der schwäbischen Stadt und den umliegenden Dörfern ausgelöst hatte. Die Zivilbevölkerung, hieß es knapp, sei nicht in Gefahr gewesen: Das Unglück geschah bei einer vorschriftsgemäß ausgeführten Routineübung ohne Nuklearwaffen; über die Ursache konnten oder mochten auch die hohen Verteidigungsherren nichts berichten.