Erste Erfahrungen mit Abschreibungsgesellschaften hatte Hock bereits 1971 gesammelt, als er sich an dem Berliner Pleite-Projekt „Formen- und Maschinenbau-KG“ (FOMAG) beteiligte. In einem Werbeschreiben der „Aktiengesellschaft für Industrieförderung“ (AGI) tauchte er als amtliches Aushängeschild in illustrer Gesellschaft auf. Dort wurde hervorgehoben: „Zu den bisherigen Gesellschaftern der FOMAG gehören u. a.: Regierungsdirektor Reinhold Hock Vorsteher der Finanzamts Offenbach-Land Mitglied verschiedener Steuerreformgremien; Mitglied verschiedener Steuerreformgremien; Rechtsanwalt Joachim Fielitz Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin“.

Es war wohl kein Zufall, daß Hock und Rudolph – beide SPD – ihre Verluste in Berlin erwirtschaften wollten. In Wiesbaden gehörten sie dem sozialdemokratisch orientierten Arbeitskreis Steuerreform an, in dem Hock – so der damalige Einkommensteuer-Referent im Finanzministerium, Fritz Günter Knöß – „die soziale Komponente stark überbetonte“. Dort habe Hock eine Anhebung der Besitzsteuern sowie eine spürbare Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen gefordert. Um so erstaunter sei er gewesen, als er Hocks dienstlichen Eifer in puncto Abschreibungsgesellschaften kennengelernt habe.

Folgt man der Darstellung von Knöß und anderen, so wurden die Weichen in Richtung „Hessisch-Liechtenstein“ möglicherweise nicht von Hock allein gestellt. So hätten der Steuerberater Helmut Eggers und Hock – damals gerade zum Vorsteher des Finanzamts Offenbach-Land ernannt – gemeinsam den Leiter der Steuerabteilung im Finanzministerium, Gerlinger, aufgesucht, um mit ihm über eine Abschreibungsgesellschaft zu sprechen, bei der „Verluste in ungewöhnlicher Höhe“ erzielt werden sollten.

Auch gegenüber dem Finanzpräsidenten der OFD, Bruno Bachmann, machte Reformer Hock aus seiner positiven Beurteilung von Baders Bohrinsel-Konstruktionen kein Hehl. „Anläßlich eines seiner Besuche“ – so Bachmann bei seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft – „entwickelte er mir nach anderem auch seine Gedanken über den volkswirtschaftlichen Nutzen von Erdölbohrinseln. Er erhoffte sich daraus Gewinn für die Zukunft. Dies geschah allerdings nicht aus konkretem Anlaß einer Bohrinsel-Firma, sondern, soweit ich mich erinnere, aufgrund von Beratungen, die in einer damals eingesetzen Kommission geführt wurden, der Hock angehörte.“ Gegen Ende einer dieser Besprechungen habe Hock erklärt, „daß für die Kommission zur Frage der volkswirtschaftlichen Bedeutung ein Gutachten in Arbeit sei, über das er bald verfügen könne, und an dem er maßgeblichen Anteil habe“.

Hock-Spezi Bader ging bei Bachmann bald ein und aus. In einem internen Vermerk notierte der für die Ermittlungen zuständige Staatsanwalt Jörg Britzke am 20. April 1983: „Bader war „oft, zu oft‘ in der OFD, und zwar bei Bachmann.“

Finanzpräsident Bachmann war nicht der einzige, auf den Bader setzte. Am 22. November 1974 beispielsweise verwandte sich der damalige stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rechtsanwalt Günther Metzger, für ihn, indem er seinem „lieben Heribert“, dem hessischen Finanzminister Heribert Reitz, unter anderem schrieb: „In der Anlage übersende ich Dir einen Aktenvermerk, den mir der Gen. Erich Schumann, Rechtsanwalt in Bonn, in die Hand gedrückt hat. Er hat mich darum gebeten, mit Dir über diesen ‚Fall‘ zu sprechen. Da ich am Wochenende und am Montag in Zürich und München zu tun habe, werde ich am Dienstag oder Mittwoch versuchen, Dich von Bonn aus telefonisch zu erreichen. Mit den besten Grüßen. Dein Günther Metzger.“ In dem Aktenvermerk machte sich Genosse Schumann – der SPD auch als Vertrauter von Herbert Wehner und Berater des damaligen Vorsitzenden der Friedrich-Ebert-Stiftung, Alfred Nau, verbunden – gleich für zwei Bohrinsel-Projekte Baders stark: Gulftide und Polaris. Grund für die Schützenhilfe aus Bonn: Kritik an den von Hock legitimierten Steuertricks, verbunden mit der Gefahr eines Widerrufs der bereits erteilten Verlustbescheinigungen.

Als mögliche „Weiterungen“ eines Sinneswandels stellte Baders Mann in Bonn unter anderem in Aussicht: „Vorwürfe gegen das Ministerium, erst jetzt, nachdem die Investoren gezahlt und rechtsverbindliche Verträge abgeschlossen haben, einzuschreiten, obwohl nach der eigenen Darstellung des Ministeriums die Objekte dem Ministerium schon seit langem bekannt sind“. Zu befürchten sei auch eine „Desavouierung des Finanzamtsvorstehers Hock (SPD-Mitglied), der allgemein in Fachkreisen als außerordentlich befähigter Beamter gilt“.