Als „persönliche Anmerkung“ schob Schumann nach: „Es sieht so aus, als ob Herr Ministerialrat Knöß aus politischen Gründen mit allen Mitteln versucht, die rechtmäßige finanzamtliche Bestätigung zu Fall zu bringen. Er scheint sich dafür politischen Erfolg in bestimmten Parteikreisen in Hessen zu erwarten. Nach meinen Informationen, ist der Vorgesetzte von Herrn Knöß, Herr Horlbach* (gemeint ist: Horlbeck, d. R.), der Auffassung wie das Finanzamt und die Oberfinanzdirektion, will sich aber nicht in eine Konfrontation mit Herrn Knöß begeben.“

Reitz reagiert kühl. Am 3. Dezember teilte er seinem „lieben Günther unter anderem mit: „Es handelt sich ... um die Sorte von Abschreibungsgesellschaften, die ausschließlich den Zweck verfolgen, unter mißbräuchlicher Benutzung des Steuerrechts potente Steuerpflichtige von ihrer Steuerbelastung zu befreien.

Um so mehr befremdet es mich, daß sich ein Genosse für solche Abschreibungsgesellschaften eingesetzt und sich dabei nicht davor scheut, falsche Behauptungen über den Einkommensteuer-Referenten meines Hauses, Ministerialrat Knöß, und den Leiter meiner Steuerabteilung, Ministerialrat Horlbeck, sowie auch über die Auffassung der Oberfinanzdirektion Frankfurt/Main zu den beiden Projekten aufzustellen.

Der Erteilung von Verlustbescheinigungen in solchen und ähnlichen Fällen habe ich inzwischen einen Riegel vorgeschoben.

Noch ehe der Riegel ins Schloß fiel, stellte Hock seine hingebungsvolle dienstliche Tätigkeit erneut eindrucksvoll unter Beweis. Am 21. Oktober 1974, drei Tage bevor der Leiter der Steuerabteilung auf einer Vorsteher-Gruppenbesprechung im Beisein Hocks anordnete, Verlustbescneinigungen nur noch nach Vorlage der Steuerakten mit Zustimmung der Oberfinanzdirektion zu erteilen, stellte Hock auf Baders überstürzte Anträge vom 19. September und 18. Oktober hin gleich vier Verlustbescheinigungen auf einmal aus.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den Bader-Kreationen Regulus, Sirius, Southern California Ranch und Erst Dateneingabe-Geräte um reine „Vorratsgründungen“, da Bader und Hock wahrscheinlich im vorab über die unmittelbar bevorstehende Kompetenzbeschränkung informiert waren. „In Kenntnis aller Umstände“ sei es Bader einzig und allein darauf angekommen, „unter Ausnutzung des gegenwärtigen noch bestehenden Steuerparadieses ‚Hessisch-Liechtenstein‘ kräftig ‚abzusahnen‘, d. h. zumindest für die nächste Zukunft Verlustbescheinigungen auf Vorrat zu erhalten, mit denen er dann in Ruhe seine Suppen zu Lasten des Steuerzahlers kochen konnte“.

Als Folge davon mußten bis Ende 1979 weitere 32 810 676 Mark Steuereinnahmen in den Wind geschrieben werden. Verhandlungen mit Dritten – so die Staatsanwaltschaft – gab es nicht. „Fest stand lediglich das Zahlenwerk, welches allein für die Berechnung werbewirksamer Verlustquoten entscheidend war. Vollkommen gleichgültig war, ob es sich bei dem Gegenstand der Abschreibungsprojekte um Kühlaggregate für Grönland, Zentralheizungsanlagen für Zehtralafrika oder eben um Bohrinseln handelte.“