Selbst den Weltraum wollte das Gespann Höck/Bader mit Verlustzuweisungen erobern. So bestätigte Hock am 21. Oktober 1974 und am 1. Juni 1976 auch das von Bader vorgelegte Konzept der Orbital Transport- und Raketen-AG (OTRAG), was bis 1977 zu Verlustzuweisungen in der astronomischen Höhe von 215 604 438 Mark führte und den Fiskus bis November 1983 über 72,417 Millionen Mark kostete. Im ersten Fall war die Verlustbescheinigung rückdatiert, im zweiten von Hocks Stellvertreter Knud Petzel unterschrieben, dem Hock verschwieg, daß er erst zwei Wochen zuvor von der Oberfinanzdirektion angewiesen worden war, „keinerlei Bescheinigungen zu erteilen und keine Auskünfte oder Zusagen irgendwelcher Art zu geben“.

Dadurch – so die Staatsanwaltschaft – sei Petzel getäuscht worden, ein Verhalten, das an „Dreistigkeit und krimineller Energie“ kaum noch zu überbieten sei. Obwohl das OTRAG-Modell mit einem Kapitalbedarf von 714 440 000 Mark wahrhaft gigantische Ausmaße erreichte, bescheinigte Hock jeweils nur wenige Tage nach Antragseingang, wie gewohnt, ohne die zuständigen Sachgebietsleiter und Sachbearbeiter sowie die Oberfinanzdirektion als vorgesetzte Dientsstelle einzubeziehen, von einer steuerlichen Überprüfung der Mammutkonstruktion ganz zu schweigen.

Die Realisierung der Raketen-Pläne stand schon damals in den Sternen. So kam ein 1975 fertiggestelltes Gutachten der „Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt“ zu dem Ergebnis, daß die OTRAG selbst bei drei Abschüssen im Jahr und einem von ihr selbst geschätzten Rohgewinn von 10 Millionen Mark pro Start niemals schwarze Zahlen schreiben könne, da allein die Pacht für das Territorium in Zaire jährlich 75 Millionen Mark koste.

Um so erstaunlicher, daß sich der Finanzpräsident der Frankfurter Oberfinanzdirektion, Bachmann, im Frühjahr 1975, noch vor Erteilung der zweiten Verlustbescheinigung durch Hocks ahnungslosen Stellvertreter Petzel, mit Bader und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Schmidt traf, um sich mit innen über die OTRAG zu unterhalten und dabei festzustellen, daß die von Bader vorgeschlagene Gesellschaftskonstruktion in bestimmten Grenzen „denkbar und steuerlich vertretbar“ sein könne. In Wirtschafts- und Steuerrechtsfragen wurde die OTRAG von Rechtsanwalt Metzger – heute Oberbürgermeister von Darmstadt – beraten, der diese Tätigkeit eigenen Angaben zufolge „zu einem nicht mehr genau bekannten Zeitpunkt“ einstellte.

Als die Zweifel an der Rechtmäßigkeit der zweiten Verlustbescheinigung nicht verstummen wollten, schaltete sich Bachmann erneut ein, um sich „einen zusätzlichen Eindruck im Rahmen des Möglichen zu machen“. Zu diesem Zweck traf er sich außerhalb der Dienstzeit auf dem Gelände der Otrag-Versuchsanstalt Lampoldshausen mit Firmencnef Lutz Kaiser und Aufsichtsratsvorsitzer Kurt Debus zu einem „persönlichen Gespräch“, das bei ihm die Überzeugung festigte, daß das Projekt „keine Utopie“ sei, wie er in einem Bericht schrieb.

Bachmann war der Otrag auch privat verbunden: Nachdem Sohn Christoph 1977 sein Abitur gemacht hatte, flog er für vier Wochen nach Zaire, um – so Bachmann – auf dem Gelände der Otrag mit „Überwachungstätigkeiten beim Ausbau der Station kurzfristig auszuhelfen“. Der Ferienjob wurde mit 1800 Mark dotiert, zuzüglich Hin- und Rückreisekosten.

Auch im Fall der „PREFAB Constructions-Element GmbH u. Co KG“ konnte sich Bader über mangelndes Interesse einflußreicher Gönner nicht beklagen. So benutzte er den hessischen Landtagsabgeordneten Horst Engel (SPD) als eine Art Briefträger, um Finanzminister Reitz ein Schreiben vom 26. April 1976 zuzuspielen, in dem er Engel (und damit den Minister) bat, sich „im Hinblick auf die außerordentliche volkswirtschaftliche Bedeutung, die das Projekt insbesondere für Hessen hat“, für eine steuerliche Anerkennung einzusetzen. Reitz lehnte ab.