Doch Engel blieb hartnäckig. In einem an Reitz persönlich gerichteten Schreiben vom 15. Mai betonte er: „Abgesehen von der rein steuerlichen Seite des Falles werden nach meinem Dafürhalten dabei Fragen angesprochen, die für einige hessische Unternehmen auch von existentieller Bedeutung sein können. In diesem Zusammenhang wäre ich Ihnen daher äußerst dankbar, wenn Sie Herrn Dipl.-Kfm. Bader Gelegenheit geben würden, sein Anliegen selbst vorzutragen, wobei ich an diesem Gespräch nicht zuletzt wegen der grundsätzlichen Bedeutung gerne teilnehmen würde.“

Daraufhin antwortete Reitz am 8. Juni, daß er „unter den gegebenen Umständen eine Erörterung mit Herrn Dipl.-Kfm. Bader nicht für sachdienlich halte“.

„Existentielle Bedeutung“ hatte die PREFAB nicht zuletzt für Engel selbst, der als Mitglied des Landtags-Ausschusses für Wirtschaft und Technik für Bader besonders interessant war. In einem Schreiben „Betr.: Otrag, Einstellungsvertrag für Herrn Horst Engel“ schrieb Bader dem Wiesbadener Rechtsanwalt Alexander de Faria e Castro: „Herr Engel hat mir das in Photokopie beifolgende Schreiben vom 4. 6. 1976 zusammen mit einem Entwurf eines Dienstvertrages der Otrag zugeleitet. Da Sie mit dem Entwurf der Vereinbarung mit Herrn Engel beauftragt sind, empfehle ich, in Ihrem Entwurf die Vorstellungen des Herrn Engel nach Möglichkeit zu verwerten. Sodann sollte ein Besprechungstermin mit Herrn Engel vereinbart werden.“

Nachdem Engel bei Reitz abgeblitzt war, schaltete Bader den SPD-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Schmidt ein, der sich mit Schreiben vom 14. Mai 1976 an Reitz wandte. Unter den zahlreichen Anlagen befand sich auch ein „Memorandum zum Antrag des Steuerberaters WP Bader vom 28. 4. 1976 für die Firma Prefab Constructions-Element u. Co KG“, das von Hock stammte.

Doch Reitz blieb hart. Fortan setzte Bader seine Hoffnung auf den damaligen Wirtschaftsminister Heinz Herbert Karry (FDP), über dessen Aktivitäten Abschreibungsprofi Joachim Georg Erlemann in einer vertraulichen Aktennotiz vom 14. Oktober 1976 frohgemut berichtete: „Herr Wirtschaftsminister Karry, Hessen (Wiesbaden), hat den Vorgang PREFAB persönlich geprüft. Er ist dabei, insbesondere wegen des Häuserauftrages STREIF, zu einem positiven Urteil gekommen. Der Minister hat daraufhin heute eine positive Notiz diktiert und diese zusammen mit den ihm vorliegenden Schriftstücken (Brief Reitz, BP-Bericht, Bericht Bader, Telex Maphar, Brief von Streif etc.) per Boten Herrn Staatssekretär im hessischen Finanzministerium, Vogeler, bringen lassen. Der Minster hat den OFD-Präsidenten Bachmann über seinen Schritt informieren lassen. Gleichzeitig hat er um Rückbestätigung gebeten, daß die Akte an die OFD zur Veranlassung weitergegeben wurde.“

Kurz zuvor hatte Finanzpräsident Bachmann einen Telephonanruf des bei Reitz abgeblitzten SPD-Bundestagsabgeordneten Schmidt erhalten mit der Bitte, „einen möglichst zügigen Abschluß der wohl bevorstehenden Betriebsprüfung zu versuchen“. Bachmann reagierte prompt. Er schlug Großbetriebsprüfungsstellenleiter Sommer eine „Kompromißlösung“ vor, die darin bestehen sollte, „zunächst eine vorläufige Verlustbescheinigung in Höhe eines Drittels der Abschreibungssumme zu erlassen“. Es blieb beim Versuch.

Nachdem alle Interventionen gescheitert waren, verlegte die PREFAB den Geschäftssitz nach München, wo ihr die gewünschte Verlustbescheinigung gegen Finanzierung einer kompletten Bundeswehr-Klinik ausgestellt wurde.