Als die Staatsanwaltschaft im Frühjahr 1977 ihre Ermittlungen aufnahm, war Reformer Hock dank der Fürsorge Baders ein gemachter Mann. Noch vor Ausstellung seiner ersten Gulftide-Verlustbescheinigung hatte er am 9. November 1973 in Nieder-Roden von Bauingenieur Edmund Koster für 70 000 Mark ein 452 Quadratmeter großes Grundstück erworben, daß Koster bereits fünf Monate zuvor an die „Wohnungsbau Spindler KG“ verkauft hatte, an der Bader beteiligt war.

Folgerichtig zahlte Hock den Kaufpreis entgegen dem Wortlaut des Kaufvertrages nicht an Koster, sondern an die Bader-KG, die ihm die Immobilie zum Einstandspreis überließ und ihn darüber hinaus von sämtlichen Finanzierungs- und Notariatskosten freistellte – nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Baders „Gegenleistung für Hocks prompte Bedienung in Sachen Gulftide einen Monat später. Im Mai gleichen Jahres hatte Hock seinen Wohltäter auf einer eintägigen Geschäftsreise nach Zürich begleitet, zum Nulltarif.

Auch Hocks Schwester Ilse sollte nicht leer ausgehen. Am 31. August gleichen Jahres kaufte ihr Hock ein 100 000-Mark-Grundstück in Dudenhofen, das er sechs Jahre später für 168 000 Mark wieder versilberte. Zwar konnte die Staatsanwaltschaft nicht nachweisen, daß die 100 000 Mark „in irgendeiner Form“ an Hock zurückflössen, doch hatte Bader als Spindler-Kommanditist auch hier seine Hand im Spiel.

Hocks besonderes Interesse galt Aktiengeschäften, zu denen ihn Bader offenbar noch ermunterte. „Dabei“ – so die Staatsanwaltschaft – „dürfte er auch den mehrfach bestätigten ,Spieltrieb‘ des Angeschuldigten Hock gefördert haben, der mit seiner ,manuellen Alltagsarbeit‘ im Büro erst begann, nachdem er die in- und ausländischen Börsenkurse auf Spekulationsgewinne abgeklopft hatte.“ Bis 1975 wickelte der fidele Finanzamtsvorsteher über sein Konto 1.744.231.200 bei der Offenbacher Filiale der BfG Wertpapiergeschäfte im Umfang von mehreren hunderttausend Mark ab. Ende 1976 verfügte er über festverzinsliche Wertpapiere und Aktien im Wert von 225 000 beziehungsweise 65 000 Mark. Im gleichen Zeitraum wurden seinem Konto 180 000 Mark, dem seiner Schwester Ilse 31 388 Mark, gutgeschrieben, deren Herkunft ungeklärt blieb. Zwar vermutet die Staatsanwaltschaft den Wohltäter auch in diesem Fall in Bader; beweisen konnte sie es nicht. Allerdings besteht aufgrund einer Aussage des in Darmstadt-Eberstadt einsitzenden Erlemann der Verdacht, „daß Teile des Beraterhonorars von Bader an den Angeschuldigten Hock und möglicherweise andere Beamte der hessischen Finanzverwaltung oder Parteien weitergeleitet worden sind“.

Wie auch immer. An der Spitze des hessischen Finanzministeriums hielt man es offenbar für ratsam, Hock elegant aus dem Verkehr zu ziehen. Offenbacher Bekannte Von Hock kolportieren, Minister Reitz persönlich habe einen Gutachter im fernen Wuppertal empfohlen, der dem damals 47jährigen „Herzstechen, Bluthochdruck, Angstzustände und Bronchitis“ attestierte mit der Folge, daß Hock im Februar 1977 wegen Arbeitsunfähigkeit in den Ruhestand entlassen wurde. Kurz darauf engagierte sich Hock – scheinbar kerngesund – in der Mainzer „Beteiligungs- und Vermögensanlagen-GmbH, um sein Glück im Immobilien- und Versicherungsgeschäft zu versuchen.

Krank oder nicht – auf jeden Fall ist der ehemalige Souverän von „Hessisch-Liechtenstein“ verbittert. „Man hat mich verladen“, erklärte er, „Heribert wußte über alles Bescheid“ und meint damit Finanzminister Heribert Reitz.

Klarheit über die Hintergründe dieses in der Geschichte der Bundesrepublik einmaligen Steuerskandals dürfte wohl nur ein Untersuchungsausschuß bringen, der auch die Frage klären müßte, ob und inwieweit Parteien von den Zuständen in der SPD-Hochburg Hessen-Süd profitierten.