Auch das Argument, daß die Schubschiffe in ihren Dimensionen den Supertransportern aus Übersee angeglichen werden müßten, zieht nicht recht. Der Rohstoffnachschub für die Stahlindustrie wird in Rotterdam ohnehin nicht von Bord zu Bord umgeschlagen. Die beiden Erzterminals dienen den Hüttenwerken an der Ruhr vielmehr als Zwischenlager, aus denen das Erz nach Bedarf flußaufwärts gefahren wird.

Dennoch ließen die Herren von der Ruhr nicht locker – und hatten Erfolg. Vermutlich schon bei der nächsten saisonbedingten Schwellung der Rheinwassermassen sollen „versuchsweise“ 270-Meter-Verbände aus sechs statt bislang maximal vier Leichtern auf dem niederländischen Stromabschnitt zugelassen werden.

Ein Jahr lang will man beobachten, was geschieht. Sollte die übrige Schifferei die Observationsphase unbeschadet durchstehen, geht das Licht für die Riesenkonvois endgültig auf Grün. Das aber wollen Tausende leidenschaftliche Gegner der Superschieber unbedingt verhindern. Vielen Selbstfahrerkapitänen sitzt die Angst im Hinterkopf.

Wenn Schubverbände erst einmal in Fahrt sind, bringt sie weder Nacht noch Nebel zum Stoppen. Sie fahren mit Radar durch den wimmelnden Verkehr auf Europas meistbefahrener Wasserstraße. 135 000 Binnenschiffe werden jährlich am Kontrollposten Lobith gezählt. Leichter und Tanker weichen schon den Viererschüben oft verschreckt aus. Vor allem bei sinkender Wasserführung und Verengung der befahrbaren Strombreite wagen kleinere Binnenschiffe die verhältnismäßig langsam daherschwimmenden Klötze oft nicht einzuholen. Wenn zwei Schubverbände einander passieren, wird die Rinne vollends zum Flaschenhals.

Schubverbände zwischen Duisburg und den Terminals nahe der Nordseeküste haben in der Regel eine einheitliche Länge und Breite: 185 mal 22,8 Meter. Sie bestehen aus einem vorwärtstreibenden „Schlepper“ von bis zu 5000 PS und vier Leichtern oder Prahmen. Die Kombi schiebt bei günstigem Wasserstand mehr als 10 000 Tonnen über Nieuwe Maas, Noord, Merwede und Waal so kraftvoll den Rhein hinauf, daß es back- und steuerbords nur so gegen die Bermen und Böschungen der Deiche klatscht.

Der Wellenschlag, der von den aerodynamisch grobschlächtigen Klötzen auf die Uferdämme ausgeht, bereitet den Kommunen und Deichverbänden jetzt schon Sorge. Wenn nun auch noch die Superverdränger kommen, die mehr als 15 000 Kubikmeter Wasser beiseiteschieben, müßten die Deiche schleunigst verstärkt werden. Geld und Pläne hierfür gibt es jedoch nicht. Der Bürgermeister von Tiel, Jan Pop, Vorsitzender der Flußland-Interkommune „Rivierenland“: „Schon der jetzige Zustand ist unverantwortlich, und nun wird es noch schlimmer.“

Die Sorge von Pop wird von vielen Gemeinde- und Provinzvertretern im Bereich der Stromsenke geteilt, denn auch das Sicherheitsrisiko, dem die Waaluferbevölkerung ausgesetzt ist, steigt. Die Sechserverbände nehmen ebenso viele Quadratmeter ein wie 1,5 Fußballplätze und können nur noch auf Kosten der gesamten übrigen Flußschifffahrt manövrieren. Die aber besteht zu mehr als einem Drittel aus Mineralöl-, Treibstoff- und Chemikalientankern, deren Ladung bei einer Havarie leicht entflammen, explodieren oder ausfließen kann.