Im Golfkrieg eskaliert die Gewalt: Die verfeindeten Luftwaffen bombardierten zum ersten Mal Bagdad und Teheran.

Seit über einem Jahr kommen die kriegführenden Armeen im Golfkrieg nicht von der Stelle. Die iranischen Luftstreitkräfte haben unter riesigen Menschenopfern die irakische Invasionsarmee aus dem Südwesten des Iran verdrängt; ihr Vormarsch ist aber in den Sümpfen und Bergen des Grenzgebietes zum Stehen gekommen. Die irakische Luftwaffe hat immer wieder iranische Städte, Ölhäfen und Raffinerien am persisch-arabischen Golf angegriffen, beide Seiten attackieren Schiffe im Golf, um den Außenhandel des Gegners zu treffen. Ein Frieden ist nicht in Sicht: Der Iran fordert weiter die Absetzung des irakischen Präsidenten Saddam Hussein als Friedensbedingung; daran scheiterten bislang alle Vermittluigsbedingungen.

Binnen weniger Tage eskalierte jetzt der Bombenkrieg zwischen Bagdad und Teheran. Irakische Flugzeuge bombardierten die Baustelle des Kernkraftwerks Bushehr und eine Fabrik bei Ahwas, der Wüstenstadt im Südwest-Iran, die das Kommando der iranischen Luftstreitkräfte im Südabschnitt der Front beherbergt. Zur Vergeltung für die Bomben auf Ahwas nahm iranische Artillerie erstmals die wichtige irakische Hafenstadt Basra unter Feuer. Die irakische Luftwaffe flog Angriffe gegen die Ölhafen-Stadt Abadan, die nur 50 Kilometer östlich von Basra liegt.

Nach Mitteilungen der Teheraner staatlichen Nachrichtenagentur bombadierte die Luftwaffe Saddam Husseins die alte Kaiserstadt Isfahan, über vierhundert Kilometer östlich der Front, und sieben weitere Städte im persischen Hinterland. Dieser irakische Krieg gegen die iranischen Städte kostete nach Angaben aus Teheran in weniger als einer Woche über 800 Menschenleben.

Die den Irakis unterlegene Luftwaffe Chomeinis antwortete mit einem spektakulären Vergeltungsangriff: gegen die irakische Hauptstadt Bagdad; hier starben nach Korrespondentenberichten 83 Menschen. Auf den iranischen Angriff auf Bagdad reagierten die Iraker mit einem Angriff auf Teheran. Zwei Raketen, aus Flugzeugen abgeschossen, töteten nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur fünf Menschen. Die Iraner – so meldete wiederum Bagdad – traten gleichzeitig zur neuen Offensive in den Sümpfen bei Basra an.

Die Vereinten Nationen bemühen sich um ein Ende der Angriffe gegen die Zivilbevölkerung. Generalsekretär Javier Pérez de Cuellar appellierte an beide Regierungen, eine entsprechende, früher getroffene Verabredung einzuhalten. Teherans Außenminister Velayati erklärte sein Einverständnis in einem Brief an Pérez, freilich erst nach dem Luftangriff aus Bagdad. Die Iraker dagegen lehnen das Vermittlungsangebot ab: Sie wollen ihre Luftüberlegenheit ausnutzen und sind allenfalls bereit, in direkten Verhandlungen mit dem Iran über einen Frieden oder Waffenstillstand zu verhandeln. Die iranische Regierung lehnt Verhandlungen mit den Abgesandten Saddam Husseins ab. „Krieg, Krieg – bis zum Sieg“ bleibt die gültige Parole in Teheran.

gi