Ein „Angst-Eiweiß“ im Gehirn der Ratte und des Menschen wollen Wissenschaftler des amerikanischen „Nationalen Instituts für Seelische Gesundheit“ gefunden haben. Die Eiweißverbindung aus 150 Aminosäuren (= Eiweißbausteinen) hat das Forscherteam kurz DBI-Peptid genannt (von Diazepam-binding inhibitor, also einem Stoff, der verhindert, daß sich die Beruhigung vermittelnde Substanz Diazepam an den Empfangsstationen – „Rezeptoren“ – der Nervenzellen anlagert). Das DBI-Peptid bindet sich im Gehirn an dieselben Rezeptoren, über die auch Beruhigungsmittel wie Valium und Librium ihre Wirkung entfalten, nämlich an die sogenannten Benzodiazepin-Rezeptoren. Seine Wirkung ist der des Valiums aber gerade entgegengesetzt: DBI-Peptide machen Ratten eher ängstlicher als ruhiger. Sie bewirken dies, wahrscheinlich über einen komplizierten Regelkreis.

Die amerikanische Wissenschaftszeitschrift Science berichtet, daß die DBI-Peptide die Wirkung einer anderen Hirnsubstanz zu hemmen scheinen, des Neurotransmitters mit der Abkürzung Gaba (Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die Nervenimpulse über den schmalen Spalt zwischen benachbarten Nervenzellen hinweg vermitteln). Gaba wiederum kann die Aktivität von Nervenzellen hemmen. Die DBI-Peptide sorgen also letztendlich für eine größere Erregung in den betroffenen Hirnteilen. Im Rattenhirn sind diese Eiweißstoffe nicht gleichmäßig verteilt: Sie finden sich gehäuft in Bereichen, die mit der Kontrolle von Emotionen zu tun haben. Möglicherweise werden die DBI-Peptide dort nicht selber aktiv, sondern sind nur „Vorläufer“ kleinerer Moleküle, den eigentlich wirksamen Substanzen. Solche „Angst“-Eiweiße könnten in Situationen lebenswichtig werden, in denen Angst eine angemessene Reaktion ist. Die Identifikation dieser Peptide könnte uns zu einem besseren Verständnis der molekularen Mechanismen verhelfen, die Gefühlen wie Furcht und Angst zugrunde liegen. Und sie könnte uns auf lange Sicht bessere Beruhigungsmittel bescheren.

Schwere Depressionen gehen mit einer Schwächung des Immunsystems einher, wie Forscher der Mount Sinai School of Medicine in New York herausgefunden haben. Depressive Patienten, die in einer Klinik leben, reagieren auf Infektionen anders als gesunde Menschen: die Zellen ihres Immunsystems, die Krankheitserreger bekämpfen, vermehren sich weit weniger schnell und häufig. Diese Beeinträchtigung der körpereigenen Abwehr ist offensichtlich keine Folge der Hospitalisierung. Wie das amerikanische Wissenschaftsblatt Science News kürzlich berichtete, zeigen psychiatrische Patienten, die mit der Diagnose „Schizophrenie“ im Krankenhaus leben, keine derartigen Veränderungen in ihrem Immunsystem – genausowenig übrigens wie Patienten mit leichten Depressionen, die ambulant behandelt werden können (alle Patienten nahmen selbstverständlich vor und während der Untersuchung keine Psychopharmaka). Ob schwere Depressionen unmittelbar und ursächlich zu einer Schwächung der Immunität führen, müssen die Wissenschaftler jetzt klären.

Nachbarschaftliche Kontakte sind in der Bundesrepublik nicht gerade eng: Nachbarn reden wenig miteinander, sprechen nicht über persönliche Angelegenheiten und unternehmen nur selten etwas gemeinsam. Was manche von uns schon erahnten, haben Wissenschaftler der Universität Freiburg jetzt auch in einer Studie nachgewiesen. Sie betragten 281 Angestellte und Beamte nach dem Umgang mit ihrem Partner, dem besten Freund, dem Kollegen und dem Nachbarn, mit dem sie am besten zurechtkommen. Ergebnis: Die Intensität der Kontakte nimmt in der Reihenfolge Partner, Freund, Kollege, Nachbar drastisch ab. Die Befragten sind dabei mit ihren reservierten nachbarschaftlichen Verhältnissen durchaus zufrieden. Professor Josef Schenk, der Initiator der Studie, hält die Ergebnisse allerdings für bedenklich. Denn außer zum Lebenspartner halten bundesdeutsche Mittelschichtler anscheinend nur zu Freunden enge Beziehungen. Viele geben aber an, gar keine Freunde zu besitzen. Sie konzentrieren sich also ganz auf ihren Lebenspartner. Sie überfordern damit, wie Schenk fürchtet, nicht nur diese Beziehung, sondern kommen auch in eine verzweifelte Situation, wenn sie ihren Partner verlieren. reo