Selbst die unermüdlichsten Propheten des gelben Metalls hatten auch für dieses Jahr fast alle Hoffnung begraben: Der Goldpreis, der sich trotz der stürmischen Dollar-Hausse wochenlang knapp oberhalb der psychologisch wichtigen Grenze von 300 Dollar je Unze gehalten hatte, war schließlich doch eingebrochen. Ende Februar fiel er in Zürich und London auf 287 Dollar – nach dem beispiellosen Kursanstieg zu Beginn der achtziger Jahre der bisherige Tiefststand. Mit einem raschen weiteren Preisverfall für das von Mythen umwobene Metall war nun zu rechnen.

Zu viele Goldkäufer sind enttäuscht über die Preisentwicklung des angeblich wertbeständigen Metalls und können nur mit Neid auf die Kursgewinne und Zinseinnahmen der kleinen oder großen Sparer und Spekulanten blicken, die zum richtigen Zeitpunkt Aktien oder Anleihen gekauft haben, oder gar den Mut hatten, sich am Dollarroulette zu beteiligen.

Auch wenn es immer wieder ein Zwischenhoch gegeben hat, so ist es seit Januar 1980, als das "barbarische Metall" (de Gaulle) mit 850 Dollar je Unze seinen historischen Höchststand erreicnt hatte, nur noch bergab gegangen – wenn auch mit gelegentlichen Zwischenhochs, die den Goldgurus wieder etwas Auftrieb gaben. Aber alles in allem haben Goldkäufer in den letzten fünf Jahren nicht gerade goldenen Zeiten erlebt.

Doch dann kam überraschend die Wende: Die Nachricht von der Schließung von 71 kleinen Sparkassen im US-Bundesstaat Ohio sorgte an den Devisenbörsen für Nervosität. Was zuvor die Notenbanken mit milliardenschweren Interventionen nicht erreicht hatten, fand nun in zeitweise dramatischer Form statt: Der Dollarkurs geriet auf die schiefe Ebene und rutschte kurzfristig sogar bis unter 3,20 Mark ab.

Das endlich brachte nach Monaten und Jahren firmierenden Wartens Bewegung in den Goldmarkt – und eine alte Spekulantenweisheit wieder zu Ehren: Der Goldpreis ist ein Spiegelbild des Dollarkurses. Steigt der Dollar, fällt das Gold; trennen sich die Spekulanten vom Dollar, setzt eine Flucht ins Gold ein.

Wie so viele andere scheinbar unumstößliche Börsenregeln hatte auch diese in den vergangenen Jahren nur noch bedingt Gültigkeit. Doch in den vergangenen Tagen schien die Welt der Börsianer plötzlich wieder in Ordnung zu sein.

Der Goldpreis kletterte nicht nur zurück über die Marke von 300. Am Dienstag der vergangenen Woche machte er an der Comex in New York, der größten Goldbörse der Welt, Sprünge wie in den Zeiten der wilden Goldspekulation zu Beginn des Jahres 1980. Der Preis für eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) schoß an einem Tag um zwölf Prozent in die Höhe, von 303 auf 339 Dollar.