Berlin: "Almir Mavignier"

Der Sturm im Wasserglas, ausgelöst durch den impulsiven Rücktritt des Vorsitzenden des Trägervereins des Berliner Bauhaus-Archivs, hat sich gelegt. Philip Rosenthal hatte einen auswärtigen Kandidaten an die Spitze des Instituts gewünscht. Der neue Direktor (und langjährige Mitarbeiter) Peter Hahn versprach "Kontinuität und Öffnung" – was auch sonst? So wenig spektakulär wie das Programm geriet die erste Ausstellung seiner Amtszeit. Nicht zum ersten Mal wurde der museal inzwischen weitgehend erschlossene Kreis des legendären Bauhauses verlassen. Mit Almir Mavignier, dem gebürtigen Brasilianer und Professor an der Hamburger HfbK, zu dessen Auszeichnung mit dem Stankowski-Preis für die beispielhafte Verbindung von freier und angewandter Kunst das Bauhaus-Archiv seine Ausstellung einrichtete, kommt die Ulmer "Hochschule für Gestaltung" in den Blick. Sie blieb Episode, wo das Bauhaus Epoche machte; nicht allein ihrer kurzen Lebensdauer in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre wegen. "Visuelle Kommunikation" heißt das Stichwort. Im Werk Mavigniers – serielle Gemälde, mit denen er an der Düsseldorfer "zero"-Gruppe teilnahm, Graphiken, vor allem aber gut 200 Plakate fast ausschließlich für Museen – ist der streng rationalistische Ulmer Ansatz beispielhaft verwirklicht. Die Grenzlinie zwischen Kunst und Design sollte zugunsten des letzteren unter Verweis auf das gemeinsame Wesen optischer Gestaltung aufgehoben, mehr noch aber die Idee der Originalität des Künstlers gegenüber dem Designer als Romantizismus überwunden werden. Daher die spürbare Angst vor jedem "Zuviel" in Mavigniers Plakaten, ihre Reduktion auf das Unumgängliche und das optische Kürzel. Das Serielle und der Wiedererkennungseffekt sind die logische, vielleicht auch gewollte Folge. – Auf einem Plakat von 1958 steht "brasilia. hauptstadt der Zukunft". Aus diesem Geist ist Mavigniers Werk, dem Geist der Utopien der wissenschaftsgläubigen Nachkriegszeit. (bauhaus-archiv bis 14. 4., anschließend Ludwigshafen und Ulm; Katalog 22 DM)

Bernhard Schulz

Düsseldorf: "Am Anfang: Das junge Rheinland."

Eine Warnung an das Publikum: dies ist keine Ausstellung zum Schauen und Flanieren. Künstlerisch rechtfertigen nur wenige der fast dreihundert Ausstellungsstücke den Aufwand, die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen im Spiegel der rheinischen Kunst aufzuarbeiten. Allzu unterschiedlich im Niveau war das, was sich da 1919 unter dem Namen "Das junge Rheinland" zur Gruppe zusammengeschlossen hatte und in der legendären Johanna (Mutter) Ey, einer Bäckersfrau und Wirtin, eine tatkräftige Förderin gefunden hatte. Es war die verlorene Generation aus dem Ersten Weltkrieg, pazifistisch geworden in den Schützengräben vor Verdun und sensibel gegenüber sozialem Elend in der Weimarer Republik, die zumeist einen politisch engagierten Realismus pflegte. Von Avantgarde im zeittypischen Sinn war bei diesen Künstlern wenig zu spüren. Die wichtigsten Künstler, wie Max Ernst oder Otto Dix, verließen die in sich von Anfang an zerstrittene Gruppe schon bald. Bereits 1925 spaltete sich die Gruppe wieder, und es entstand die "Rheingruppe", die keine Bedeutung mehr erlangte. So sind die Bilder denn auch in erster Linie als Zeitdokumente zu betrachten, an denen das persönliche Schicksal der Künstler und der politische Niedergang der ersten Republik abzulesen ist. Als Gegenposition behauptet sich der immer noch unterbewertete Otto Pankok, der im Untergrund sein humanes Engagement und seinen Haß auf den Krieg zu eindrucksvollen künstlerischen Leistungen steigert und verdichtet. Auch der sozial engagierte Realismus von Karl Schwesig und Jankel Adler, die bereits frühzeitig zur Gruppe gehörten, ist ein Zeitdokument mehr, als daß von ihm künstlerische Impulse für die Kunst der Zeit ausgegangen wären. Es bedarf allerdings genauer Informationen, um diese Dimensionen der Bilder in der Ausstellung entschlüsseln zu können. Sie werden immerhin in dem ausgezeichnet zusammengestellten Katalog ausgebreitet, der so zu einem unersetzlichen Hilfsmittel für den Besuch der Ausstellung wird. Ulrich Krempel, der dieses Unternehmen eingerichtet hat, stellt die Ausstellung denn auch ausdrücklich in den Zusammenhang des politischen Datums des 8. Mai, zu dem eine solche Illustration aus dem Bereich der bildenden Kunst unbedingt überfällig gewesen ist. Aber immerhin bleiben einige Eindrücke aus dieser Ausstellung, die auf Künstler hinweisen, deren Werke einer pfleglicheren Behandlung durch die Museen und Kunsthistoriker bedürfen. Neben Pankok sicherlich Gert Wollheim, dessen großformatiges Bild "Der Verwundete" von 1919 die Ausstellung einleitet und das eine dauernde künstlerische Anklage gegen den Krieg darstellt. (Kunsthalle Düsseldorf bis zum 8. April, Katalog 40 DM) Hans-Peter Riese

Wichtige Ausstellungen

Berlin: "Nofret – Die Schöne" (Ägyptisches Museum bis 2. 6., Katalog 23 DM)