„Mit weniger kann ich nicht leben“, Gedichte von Olly Komenda-Soentgerath. Diese Verssammlung enthält kleine poetische Reflexionen, die sich bisweilen an Naturbildern erfrischen, imaginativ aufladen: „Kennst du die Wechselstuben in den Wolken? / Dort werden Träume getauscht...“ An solche in der Schwebe belassenen Bilder knüpft die Autorin Überlegungen, die mehr von seismographischen Ausschlägen als existentiellen Deutungen haben: „... Einen Sommer / durchzusingen / als Zikade, / in das Licht verliebt, / schön und unnütz, / und in der ersten Herbstnacht / zu erfrieren / mit dem Lied / zwischen den Flügeln.“ In diesen Texten meldet sich etwas Zartes, Stimmungshaftes zu Wort. Olly Komenda-Soentgerath, die 1982 einen von ihr übersetzten Band mit Versen des letzten Literatur-Preisträgers Jaroslav Seifert ediert hat (ebenfalls im Horst Heiderhoff Verlag, der eine stattliche Reihe internationaler und deutscher Lyriker in exquisiten Bänden vorlegte), wurde 1923 in Prag geboren. Die Lyrikerin, die das Leben „Auf dem Trittbrett des Windes“ zu durchreisen versucht, ist zugleich unzeitgemäß und heutig. Ihr neuer Gedichtband, dem Karl Krolow ein Nachwort beigegeben hat, ist schon ihr vierter. Ein kleines Buch, das die Worte Glück und Liebe buchstabiert, ebenso wie die Worte Angst und Tod. (Ausgewählt und herausgegeben von Roswitha Th. Hlawatsch und Horst G. Heiderhoff; Lyrikreihe „Das Neueste Gedicht“ / Neue Folge Band 14; Horst Heiderhoff Verlag, Waldbrunn, 1984; 72 S., 16,80 DM.)

Hans-Jürgen Heise

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„Kaltland. Wah’schate Ssard“, sieben Geschichten von Torkan. Deutschland – Kaltland. Die Träume von reichen, vornehmen Städten, von Freiheit und unvorstellbaren Möglichkeiten ziehen sie nach dem europäischen Land. Perser ebenso wie Türken verlassen ihre Heimat mit Sehnsucht im Herzen. Und dann: Fremde, starre Bürokratie, Unverständnis. Was haben sie eingetauscht: Wärme gegen Kälte, Geselligkeit gegen Einsamkeit, Gastfreundschaft gegen verschlossene Türen. Und was haben sie gewonnen? Darauf gibt Torkan, die persische Schriftstellerin, keine Antwort. Ihre Geschichten drehen sich um das Leid in der Fremde. Wieder und wieder konfrontiert Torkan persische Lebensweise mit dem, was zahlreiche Auswanderer in Deutschland erlitten haben, schildert das trostlose Dahinfristen alleinstehender Mütter, die gescheiterten Beziehungen zwischen Persern und Deutschen, die würdelosen Arbeitsbedingungen. Neben ein Sprichwort aus ihrer Heimat setzt Torkan vor jede ihrer Erzählungen einem Motto gleich eines der brutalen, hartherzigen Vorurteile der Deutschen gegen die „Itaker“. Die dann folgende Erzählung ist zweigeteilt. Das Leben in Persien, das Leben in Deutschland, wie persische Weisheit und deutsches Vorurteil stehen sie einander gegenüber. Gleichnisse, wundersame Geschichten voller Einsicht und Güte, auch Kritik, so wird persisches Leben dargeboten. Eine lange Anklage gegen die neue Heimat, ein Versuch, die heute zumeist nur noch aus Märchen gekannte persische Kultur neben dem Gastarbeiterimage hervorzuholen, (perspol-verlag, Hamburg, 1984; 222 S., 18,– DM.) Elke von Radziewsky