Von Rolf Michaelis

"Nur ist mir das Betrübteste, daß die Deutschen nicht immer deutlich wissen, ob sie volle Weizengarben oder Strohbündel einfahren."

Johann Wolfgang Goethe, am 9. August 1816 aus Bad Tennstädt, an seinen Freund, den Maurermeister und Leiter der Berliner Singakademie, Karl Friedrich Zelter.

Ja das ist klassisch!" Die fünf Silben fallen, vier Akte lang, aus dem Mund des (maul)faulen Dieners Melchior, den das Personenverzeichnis von Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroys Posse mit Gesang "Einen Jux will er sich machen" als "vazierenden Hausknecht" aufführt, als Haus- und Hof-Diener auf Wanderschaft. Schon im sechsten Auftritt des ersten Aufzugs dröhnen Melchiors neuem Herrn, dem Gewürzkrämer Zangler, die Ohren von dieser Redensart seines eben eingestellten Helfers im Kramladen: "Was hat Er denn immer mit dem dummen Wort klassisch?" Der Diener wird ganz Herr durch die Weisheit seiner Antwort: "Ah, das Wort is nit dumm, es wird nur oft dumm angewendt."

An diese Worte des braven, in seiner Dumpfheit klugen Hausknechts, der immer das Beste will und gerade dadurch Verwirrung schafft, wollen wir uns beim Nachdenken über den "Deutschen Klassiker Verlag" und sein in der Geschichte des deutschen Publikationswesens einmaliges Unternehmen erinnern.

Wann hätte es das je gegeben: Ein junges Editionshaus – was sag’ ich: ein Verlag noch im Embryonal-Zustand, der gleichwohl schon mehrere Millionen Mark ausgegeben hat, der nach jahrelangen Vorbereitungen am 1. Juli 1981 in Frankfurt am Main gegründete "Deutsche Klassiker Verlag" (DKV), hat rund 150 Herausgeber (und das Mehrfache an wissenschaftlichen Mitarbeitern und Hilfskräften) im In- und Ausland verpflichtet, in den nächsten Jahren rund 300 Bände von insgesamt über 360 000 Seiten mit den als klassisch geltenden Texten deutscher Literatur herauszubringen.

Die ersten zwölf einer auf vierzig Bände angelegten "Eröffnungsedition" werden im Oktober erscheinen. Um das gigantische Projekt anzukündigen, bringt der "Deutsche Klassiker Verlag" als sein erstes Buch heraus – eine Werbebroschüre, einen mit farbigen Bildern, klugen Aufsätzen und Auszügen aus künftigen Klassikerausgaben reich bestückten, preiswerten Band unter dem Titel –