Von Sibylle Zehle

Zuerst wird einem orange vor Augen. Dann sieht man nur noch rot. „Das ist eben Verner Panton“, sagt Josef Kremerskothen, Chefredakteur der Zeitschrift Schöner Wohnen und er sagt das so, als wolle er sich für die Farbräusche in der Gruner + Jahr-Kantine entschuldigen. Unter unseren Füßen schwimmen lila Sonnen, alle Wände schwummern. Kremerskothen räuspert sich: „Man machte das heute wohl schlichter.“

Die Schockfarben der späten Sechziger, sie sind nicht mehr progressiv und explosiv, nur noch ziemlich intensiv; da manifestiert sich kein Lebensgefühl, das ist nur noch Zitat aus einer Zeit der schönen Euphorien. Experimente gab es damals schließlich bis ins Wohnzimmer, Möbel aus Pappe und Betten mit Wasser, Säcke zum Sitzen, Schaumstoff-Landschaften zum Lümmeln, am aufrührerischsten aber waren die Farben. „Die phantastischen Stoffentwürfe eines Jack Lenor Larsen“, erinnert sich Kremerskothen, „also das war schon eine Revolution.“

Wohnräume, das sind nicht nur Spiegel der Seele und Ausdruck sozialer Zwänge, sie sind auch Symbole der Zeit. Und so hat Deutschlands älteste Wohnzeitschrift Schöner Wohnen das vergangene Vierteljahrhundert nicht nur 67 770 Seiten in 300 Heften bedruckt, sie hat auf ihre Weise auch ein Stück bundesrepublikanische Geschichte geschrieben. In diesen 25 Jahren wurde die Zeitschrift zur Institution, ihr Name – Spottwort und Gütesiegel in einem – fast schon geflügeltes Wort. Nullnummern von Schöner Trinken oder Schöner Sterben werden am Biertisch gern entworfen.

„Was heißt das eigentlich: Schöner Wohnen?“ fragt die Möbelfirma Musterring 1958 in einem Constanze-Sonderheft und lieferte, in derselben Anzeige, die Antwort gleich dazu: „Es gibt Menschen, die wohnen schön und wissen es gar nicht, und es gibt solche, die wohnen bescheiden in der Stadt, sie haben nicht viel Platz und nicht viel Möbel, aber sie sind glücklich. Wer schöner wohnen will, muß erst einmal lernen zu wohnen.“

Das ist nett gesagt, ein richtig ausgekochter Werbetext aber wohl noch nicht. Hauptsache-ein-Dach-über-dem-Kopf, dieses Denken bestimmte die Fünfziger, Neckermann-Tourist zu sein war noch nicht Schimpf – und das Urteil: Musterring-Niveau noch keine Schande. Es ging darum, den Bedarf zu decken, nicht zu wecken, und der Markt produzierte Möbel, Möbel, nicht schön, aber schnell.

Das Schlafzimmer: in Afrika-Birnbaum oder in der neuartigen Tabasco-Ausführung – mit schwebenden Nachtkonsolen, die mit dem Bettkopfstück eine Einheit bilden, lieferbar auch in Riegel-Ahorn, naturhell.