Diva Carla: eine Monroe des Underground, einen Kopf kleiner als Marilyn und nicht nur deshalb komischer. Wenn sie lachte, sah man Zähne wie die Sterne um den Paramount. Sie spielte Kuchenverkäuferinnen, stürzte sich schmachtend auf Gräber von toten Geliebten, sang kreischend Operettenmelodien, schmollte und verdrehte vor Wonne die Augen. Es trieb sie nicht in den Selbstmord, daß sie eine deutsche Monroe war. Davon ging die Welt nicht unter.

Die Zeit mit Schroeter (und Praunheim und Fassbinder) ist nun vorbei. Carla Aulaulu heißt wieder Carla Egerer und lebt mit ihrer sieben Jahre alten Tochter auf dem Land, im tiefsten Niederbayern. Die Fahrt zu ihr, über die Dörfer, bis man über Erding und Vilsbiburg in Richtung Passau nach Münchsdorf kommt, ist eine Strapaze. Flaches Land, Felder, Wälder, CSU. Ihr Bauernhaus ist klein, die Scheune dient als Garage für einen klapprigen Fiat 126, der Holzbalkon wirkt baufällig. Ihre Haare sind nicht mehr blond, sondern braun. Hier in Niederbayern sei das Licht wie in Italien, wo sie gelebt hat. Mit den bürgerlichen Karrieren ihrer früheren Freunde will sie nichts zu tun haben. "Ich will gar nirgends hinkommen. Ich will immer gleich leben." Sie lebt anspruchslos, ohne Glamour und arbeitet diszipliniert an ihren Kriminalromanen, die sehr chaotisch sind.

"Ein neuer Auftrag in Kairo": Das ist der Auftrag zu einem Film, einem Jesus-Epos. Erwin, ein deutsches Jungtalent, das den internationalen Durchbruch wittert, schreitet in den Gefechtspausen des libanesischen Bürgerkriegs, bibbernd vor Angst und schwankend wegen des Alkohols, vor den Kameras über die Schlachtfelder. Der Manager des Filmteams verschwindet schon in der ersten Nacht. Die Frau des "Jesus"-Regisseurs dreht gleichzeitig einen Frauenfilm, ohne zu wissen, daß er von der Badezimmerindustrie gesponsert wird. Die Regisseurin, die im Dunkeln unter eingebildeten Würgegriffen ihrer verstorbenen Mutter leidet, fällt während eines neuen traumatischen Anfalls von der Cheopspyramide. Das ist der Stand. Daran schreibt Carla Egerer gerade.

Sie träumt von Serienhelden und hat sie schon gefunden: zwei Heimatlose, zwei Reisende, ein Mann (Schriftsteller) und eine Frau (Reporterin), die auf Fälle stoßen sollen, wie sie ein Kommissar "in seiner gesicherten Position" gar nicht findet. Schon haben die beiden Kontakt mit dem Agenten eines verbrecherischen "Finanzpools". Die Schwester des Agenten ist Nymphomanin. So kam der Schriftsteller mit dem Verbrechen in ersten Kontakt.

Carla Wallace, Lady Egerer-Holmes: Von Münchsdorf aus jagt sie die Filmmafia genauso wie das Kapital. So chaotisch wie die Filme, aus denen wir sie kennen, sind auch die Romane. Ein Lektor des Heyne Verlags, wo sie ihr Werke erscheinen lassen will, redet verzweifelt von einer verwirrenden Sprache und Dramaturgie. Aber Carla Egerer erhört ihn nicht. Keine Chance dem Establishment! Kein Klein-, sondern ein Bestseller-Verlag soll ihre Bücher drucken. Zwar lebt sie jetzt in Niederbayern, aber ihre Heimat ist das nicht. Noch immer ist sie unverbesserlich Carla Aulaulu. Was für ein Trost auf meiner Reise!

Vor die Tür!

"Schreib: Wir haben lange Geduld mit ihm gehabt. Jetzt ist Schluß."