Mögen auch die Besucherzahlen aus der Bundesrepublik stagnieren – Neuseeland erlebt derzeit einen Touristenboom sondergleichen. Die Folge: Es fehlt überall an Hotels. Dem begegnet die Regierung, die erstmals mehr als 1,5 Milliarden Mark aus Touristenportemonnaies verbuchen konnte, mit einem Hotelbauprogramm.

Bis 1982 hatte Auckland, Neuseelands größte Metropole, nur zwei internationale Hotels, deren mäßiger Standard viel zum provinziellen Image des Landes beitrug. Seither (und nach einer 20-Prozent-Abwertung der Landeswährung) entdeckten die Japaner und die mit kaufkraftstarken Dollars gesegneten Amerikaner die Vulkaninseln im Südpazifik als reizvolles Ferienziel und reisten zu Tausenden ein. Alle Flugzeuge sind seither rappelvoll, und die Luftlinien hätten längst zusätzliche Verbindungen eingerichtet, gäbe es nur mehr Hotelzimmer. Die Regierung versprach allen Hotel-Investoren, 9,5 Prozent der Kosten für Neubauten in Auckland zu übernehmen. Das wirkte: Binnen zweier Jahre entstanden ein Sheraton- und ein Regent-Hotel; Hilton soll noch nach einem Objekt in Auckland suchen. Hyatt, das ein abgewirtschaftetes Hotel übernommen hatte, konnte inzwischen die Besitzgesellschaft angesichts der neuen Konkurrenz von der Notwendigkeit einer Renovierung für 17 Millionen Mark überzeugen. Unter der Leitung des deutschen Generaldirektors Ullrich Hoppe kommt das Hyatt jetzt wieder auf De-Luxe-Niveau.

Die Not ist somit in Auckland vorerst behoben, aber in den Städten Wellington und Christchurch sowie im Touristenzentrum Queenstown fehlt es immer noch an Betten. Deshalb hat die Regierung ihre 9,5-Prozent-Offerte auch auf die beiden Städte und auf das unter besonderer Not leidende Queenstown ausgedehnt. Die Hyatt-Kingsgate-Gruppe will jetzt in Queenstown anbauen, die Southern Pacific Hotel Corporation (SPHC) ihre Travelodge, das erste Haus am Platz, erheblich erweitern. Sheraton sucht nach einem Baugrund, die regierungseigene Tourist, Hotel Corporation (THC) hat gerade einen erworben.

Die THC ist damit abgerückt von ihrer Politik, nur in abgelegenen Regionen zu investieren, um mit Staatshilfe den Fremdenverkehr anzukurbeln. Sie hat jetzt einen Managementvertrag für das traditionelle James Cook Hotel in Wellington übernommen und läßt es renovieren, da mit dem neuen Park Royal der SPHC eine (allerdings abgelegene) Konkurrenz entstanden ist. In der Hauptstadt Wellington wird überdies von allen internationalen Hotelketten ein Haus gesucht. Sheraton, das mit 17 Stockwerken die Skyline der Stadt bereichert, ist nur ein Vorreiter.

In der größten Stadt der Südinseln, in Christchurch, ist den Amerikanern gerade ein interessantes Grundstück durch die Lappen gegangen, dort baut SPHC jetzt für 80 Millionen Mark ein Park Royal. Sheraton bleibt an Christchurch weiter interessiert, gleiches gilt für die THC-Gruppe.

Daß angesichts des Raummangels die Übernachtungspreise steigen, ist verständlich, aber nach Meinung der staatlichen Development Finance Corporation auch notwendig. Deren Chef John Hunn glaubt, die Übernachtungspreise müßten um 20 bis 30 Prozent steigen, damit genug Anreize für weitere ausländische Investoren geboten werden. Ob sich das angesichts der neuen Hotels durchsetzen läßt, ist fraglich. Ob derart erhöhte Preise gerechtfertigt sind, ist eine andere Frage, denn den Luxushotels mangelt es allenthalben an trainiertem Personal. In Auckland haben die neuen Hotels versucht, dies mit lohnkostentreibenden Abwerbungsaktionen zu überbrücken.

Das Haytt ist aus diesem Rennen jetzt ausgestiegen: „Wir trainieren lieber lernfähige junge Leute, als teures Personal mit unzulänglicher Ausbildung aus Restaurants und Kneipen einzustellen“, meint Ullrich Hoppe, der in den Schulen für die Hotellaufbahn wirbt. Daß sich das auch bei seinen Kollegen allmählich durchsetzt, beweist eine neue Gemeinschaftsaktion zur Weiterbildung ihrer Küchenchefs.

K.V.