TAZ kauft Bild, verkündete kühn das Berliner Links-Blatt seinen Lesern. Nein, das ist weder zu erhoffen noch zu befürchten. Denn die alternative Tageszeitung gehört gewiß nicht zu jenen Adressen, die die feine Deutsche Bank im Auftrage des Zeitungstycoons und BILD-Eigners Axel Springer sucht.

Gerufen ist vielmehr die Crème der heimischen Industrie, denn der mächtige Verleger will Macht und Imperium teilen: 49 Prozent des Verlags- und Druckkonzerns sollen auf eine Holding-Gesellschaft übergehen, die die Interessen der künftigen Anteilseigner vertritt. Mit einer Beschränkung der Beteiligungen auf Mini-Portionen von jeweils nur vier bis fünf Prozent sowie der Ausgabe von vinkulierten Namensaktien will der Verlger sicherstellen, daß die politische Richtung seiner Blätter langfristig gewahrt wird, eine Richtung, mit der sich gewiß etliche Unternehmer und Manager gut identifizieren können.

Nur so schließlich glaubte der nun 73jährige Zeitungszar, der bereits 24,9 Prozent seines Unternehmens an einen anderen Großen der Branche, den Familienkonzern Burda, abgegeben und damit auch die Möglichkeiten des Kartellgesetzes ausgeschöpft hat, sein Haus noch bestellen zu können. Immerhin: Eine weitere Pressekonzentration – eine Minderheitsbeteiligung des Hamburger Bauer-Verlages war im Gespräch – ist schon im Vorfeld verworfen worden. Das Bundeskartellamt mag nun zufrieden sein, denn – in der Tat – wie anders kann ein marktbeherrschendes Unternehmen verkauft werden, wenn nicht an branchenfremde Firmen. Wer aber einmal über die 26,1 Prozent verfügen wird, die Springer jetzt noch hält, ist noch gar nicht kalkulierbar.

Politisch und publizistisch aber kommen jetzt schon Bedenken: Mit Geld und gutem Namen deutscher Topunternehmen im Rücken erwachsen dem Springer-Verlag Kraft und Stärke, die am Medien- und Meinungsmarkt ihresgleichen suchen. Doch verbinden sich einmal publizistische Kraft und wirtschaftliche Stärke, dann erwächst eine politische Macht, die wohl nicht mehr nur die Politik kommentieren will, sondern mitgestalten. Gunhild Freese