Leser wie den SPD-Bundestagsabgeordneten Wolf-Michael Catenhusen wünscht sich gewiß jede Redaktion: Menschen, gar noch Politiker, die glauben, was da schwarz auf weiß geschrieben steht, sind leider selten geworden. Catenhusen, Vorsitzender der Enquete-Kommission „Chancen und Risiken der Gentechnologie“ ist so ein Glücksfall. Er nahm eine Meldung im Wissenschaftsteil der ZEIT zum Anlaß für eine Anfrage an die Bundesregierung.

In dem Bericht (ZEIT, Nr. 15 vom 5. 4. 85) war von einem menschlichen Sexuallockstoff die Rede, der demnächst im zivilen wie im militärischen Bereich angewendet werden solle. Die Substanz, im Fachjargon „Pheromon“ genannt, sei Anfang 1984 von einem Heidelberger Forscherteam entdeckt worden. Nun wolle angeblich ein Berliner Pharmakonzern den potenten Duftstoff unter dem Namen „Lustalon“ auf den Markt bringen. Allerdings weigere sich das Bundesgesundheitsamt bisher, das Produkt als „kosmetischen Duftstoff“ zuzulassen; allenfalls nung des Pheromons mit öffentlichen Mitteln gefördert würden.

Die Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesminister für Forschung und Technologie, Albert Probst, liegt jetzt vor: „Anträge auf Förderung dieser Forschungseinrichtung durch öffentliche Mittel sind bisher nicht gestellt worden“, beschied er den Fragesteller. Und klärte ihn zugleich auf: „Die Bundesregierung wird mit Interesse verfolgen, welche wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Thema am 1. April 1986 veröffentlicht werden.“

Ihm sei klar gewesen, so der Abgeordnete, daß „das Ganze mit Schmunzeln enden könne“. Recht hat er. Die Meldung in der ZEIT war ein April-Scherz. Nichts für ungut, Herr Catenhusen.

Ministerialrat Ulrich Hillenkamp, der die Stiftungsgründung im Bildungsministerium fördert, meinte: „Gerade die Beteiligung der Industrie könnte der Sache Profil geben.“ Nach den Vorstellungen des Ministeriums soll die „Villa Vignoni“ eine deutsch-italienische Begegnungsstätte für Jugendlichein der Ausbildung, Nachwuchskräfte aus Wissenschaft und Kunst sowie für erfahrene Wissenschaftler und Fachkräfte in der beruflichen Bildung sein.

Eigentlich sollte das gründliche Gutachten, das Postminister Christian Schwarz-Schilling über den gelben Teil seiner Bundespost bei der Privatwirtschaft in Auftrag gegeben hat, schon längst auf dem Tisch sein. Und die Gutachter haben ihre Arbeit auch schon fertig. Die Postler möchten aber mit der Bekanntgabe noch etwas warten. Es enthält nämlich brisante Teile, die vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 12. Mai nur zu einer unnötigen Beunruhigung der Öffentlichkeit, käme eine Zulassung als verschreibungspflichtiges Präparat in Frage, hieß es in der ZEIT-Meldung.

SPD-Politiker Catenhusen war, wie er heute einräumt, bei der Lektüre „amüsiert und irritiert zugleich“. Aber er wollte es nun einmal ganz genau wissen und fragte deshalb offiziell, ob Arbeiten zur Erforschung der „Erogene“ und zur Gewin-Die „Villa Vignoni“, die der italienische Adelsmann Don Ignazio Marignano di Medici der Bundesrepublik Deutschland vererbt hat (Bonn hatte erst nach Annahme der Erbschaft gemerkt, daß das Erbe den Steuerzahler wegen notwendiger Renovierungen rund zwölf Millionen Mark kosten wird), soll nun mit Hilfe und Mitteln der Privatwirtschaft saniert werden. Der Haushaltsausschuß des Bundestages hatte die notwendigen Gelder nicht bewilligen wollen.