Die Kosten des Bonner Spektakels worden weitgehend von Unternehmen getragen

Der Bundesregierung ging es vor allem ums Geld. Nur zweieinhalb Millionen Mark plante sie für den Bonner Weltwirtschaftsgipfel ein, viel zu wenig, um die tausend Delegationsmitglieder und 3800 akkreditierten Journalisten angemessen aufzunehmen und die Bundesrepublik ins rechte Licht zu rücken. Also gingen Beamte des Bundespresseamts bei der deutschen Industrie schnorren. Und die Wirtschaft ließ sich nicht lumpen.

Der Büromaschinenhersteller Olympia verwarf schnell die für Kaufleute naheliegende Idee, sich zumindest die Kosten für die 300 elektronischen Schreibmaschinen ersetzen zu lassen, mit denen die Pressezentren bestückt wurden. Denn zum einen ist die Bundesregierung ein wichtiger und mächtiger Kunde, und zum anderen hätte die Konkurrenz Triumph-Adler, die ebenfalls 300 Schreibmaschinen und außerdem noch vierzig Kopierer lieferte, sich allein präsentieren können.

Den anderen Unternehmen sind solche Gedanken erst gar nicht gekommen. Sie griffen so tief in die Tasche, daß der Regierungsaurwand nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Siemens ließ sich den Gipfel sechs Millionen Mark kosten; die Bosch-Gruppe gab zwei Millionen Mark aus; der Computerhersteller Nixdorf spendierte eine Million Mark. Addiert man noch die Kosten von Olympia, Triumph-Adler und einiger Autobauer dazu, so kommen gut zehn Millionen Mark zusammen, mit denen deutsche Firmen ihrer Regierung unter die Arme griffen und am eigenen Image polierten.

Vor allem die Elektrofirmen Siemens, Bosch, Nixdorf und die Bosch-Tochter Telenorma verwandelten das Bonner Treffen zum High-tech-Gipfel, der bei den ausländischen Gästen endgültig mit dem Urteil aufräumen sollte, die deutsche Industrie sei technisch nicht ganz auf der Höhe.

Siemens hatte zu diesem Zweck technisches Gerät im Wert von 13 Millionen Mark nach Bonn geschafft. Der Elektrokonzern stattete die Staats- und Regierungschefs mit einem Kommunikationssystem aus, das es bisher nur einmal auf der Welt gab: in der Münchner Siemens-Zentrale. Wann immer einer der Regierungschefs im Nato-Saal des Kanzleramtes oder im Konferenzsaal des Palais Schaumburg Kontakt nach draußen suchte, konnte er auf ein Bildtelephon zurückgreifen. So unterrichtete Finanzstaatssekretär Hans Tietmeyer, bei den Gipfelgesprächen immer an Kohls Seite, draußen wartende Beamte über den Gang der Debatte. Seine handgeschriebenen Zettel übertrug das Bildtelephon in bester Qualität in das deutsche Delegationsbüro. Wo auch immer Informationslücken klafften, sie konnten mit Unterlagen via Bildtelephon geschlossen werden, ohne daß im Verhanalungsraum dienstbeflissene Helfer durch die Reihen drängelten.

Die in den acht Pressezentren oder ihren Hotels ausharrenden Journalisten bediente Siemens gleich mit zwei Bildschirmtexten (BTX). An 200 Terminals konnten die Presseleute tausend Seiten Informationsprogramme abrufen, die von wichtigen ökonomischen Daten der sieben Teilnehmerstaaten bis zur Flugverbindung in die Heimat reichten. Reges Interesse weckte ein zweiter BTX-Dienst, der über 120 Bildschirme ständig aktuelle Meldungen der Nachrichtenagenturen dpa und Reuter verbreitete.