Friedman contra Keynes. Zur Kontroverse über die Konjunktur- und Beschäftigungspolitik. Herausgeber Peter Hampe. Mit Beiträgen von Otmar Emminger, Harald Gerfin, Karl Schiller, Olaf Sievert, Isabel Mühlfenzl. Günter Olzog Verlag, München 1984, 24 DM.

Ich prophezeie“, soll einer mündlichen Überlieferung zufolge John Maynard Keynes nach Veröffentlichung seines 1936 in erster Auflage erschienenen Standardwerkes „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ gesagt haben, „daß im Jahre 1950 alle Regierungen der Welt sich mit meinen Ideen und Vorschlägen beschäftigen werden; aber dann werden natürlich inzwischen die Probleme ganz anders sein und meine Ideen werden nicht nur überholt, sondern gefährlich sein.“ Wie recht Keynes doch mit dieser Voraussage hatte.

In den fünfziger und sechziger Jahren wurde die Wirtschaftspolitik der westlichen Industriestaaten weitgehend dominiert von den Verheißungen der „keynesianischen Botschaft“. Und das nicht ohne anfängliche Erfolge. Verursacht von den steigenden Inflationsraten schlug dann aber um 1975 herum das Pendel nach der anderen Seite aus.

So wie in den dreißiger Jahren die keynesianische Revolution die damals vorherrschende klassische Doktrin angriff, ist seit zehn Jahren der Keynesianismus mit einer massiven klassischen Gegenrevolution konfrontiert. Stellvertretend für diesen neuen Trend in der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik steht der Name des in Chicago lehrenden Nationalökonomen Milton Friedman.

Keynes ging von der Prämisse aus, daß die sich selbst überlassene Marktwirtschaft zu einer von Nachfrageschwäche und Unterbeschäftigung gekennzeichneten Instabilität neigt; darum müsse der Staat zur Verstetigung des Wachstums antizyklisch mit einer nachfrageorientierten aktiven Wirtschaftspolitik (deficit spending) in den marktwirtschaftlichen Prozeß eingreifen.

Friedman stellt nicht die Nachfrage, sondern die Geldmenge in den Mittelpunkt seiner Theorie. Die „Monetaristen“ gehen von der Prämisse aus, daß bei richtig dosierter Geldversorgung die Wirtschaft in der Lage sei, sich selbst zu steuern. Die „unsichtbare Hand des Marktes“ gleiche Instabilitäten mit eigener Kraft aus. Schon vor zweihundert Jahren war Adam Smith dieser Meinung.

„Friedman contra Keynes“ war das Thema eines wirtschaftspolitischen Forums, zu dem die Akademie für Politische Bildung Tutzing im Jahre 1982 drei Monetaristen und drei Keynesianer zu einem Gedankenaustausch eingeladen hatte. Die damals gehaltenen Referate sind nun in überarbeiteter und aktualisierter Form in einem Buch zusammengefaßt worden.