Politische Gleichung aus Nordrhein-Westfalen: „Kuscheltier mit Amtsbonus gegen Kuscheltier ohne Amtsbonus; streicht man das Kuscheltier weg, bleibt der Amtsbonus.“ Die Rechnung stammt von Kurt Biedenkopf. Er kritzelt sie auf Bierdeckel, wenn er voraussagen soll, wer – Ministerpräsident Johannes Rau oder Herausforderer Bernhard Worms – am kommenden Sonntag die Landtagswahl gewinnen wird. Ist es wirklich so einfach? Was lehren zurückliegende Wahlkämpfe?

Erkenntnisse aus Wahlkampfbüros und Werbeagenturen in Berlin, Saarbrücken und Kiel:

Eberhard Diepgen, der einst Unbekannte, siegte über den renommierten Bundesminister a. D. Hans Apel, weil Diepgen sich als „einer von uns“ darstellte, während Apel die Leute nur mit der „neuen sozialen Frage“ quälte;

Oskar Lafontaine, der Radikale, gewann gegen den bürgerlichen Ministerpräsidenten Werner Zeyer, weil Lafontaine es verstand, seine Landsleute stolz zu machen („Unser Oskar hat’s den Deutschen mal gezeigt“), während Zeyer sie mit der Warnung vor dem „rot-grünen Chaos“ nervte;

Uwe Barschel, der vormals im Schatten Gerhard Stoltenbergs stehende jüngste „Landesvater“ (bei Amtsantritt war er gerade 38 Jahre alt), glaubt sich seiner Wiederwahl sicher, weil er das „Wir-Gefühl“ zwischen Nordsee und Ostsee auf seiner Seite wähnt.

Manchmal reibt man sich verwundert die Augen. Wo sind die Unterschiede? Für welche Politik stehen die Spitzenkandidaten eigentlich? Aus den Hochglanzbroschüren, auf Plakaten, in Zeitungsannoncen und Fernsehspots erkennt man bei den Volksparteien heute drei Grundaussagen:

  • Unser Kandidat ist „Landesvater“.
  • Unser Kandidat ist „einer von uns“.
  • Unser Kandidat steht für „unser Land“.