Hamburg

Er will das Gesetz der Serie brechen. Ingo von Münch fürchtet das Beispiel wenig erfolgreicher Professoren, die ihr Glück in der Politik suchten, nicht. Der Ordinarius für Öffentliches Recht ließ sich in der vergangenen Woche mit einer beachtlichen Mehrheit an die Spitze der Hamburger Liberalen wählen und hat sich vorgenommen, jedes FDP-Mitglied an der Elbe persönlich kennenzulernen. Er müßte dies schaffen, denn die Liberalen, die einst in der Hansestadt ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hatten, krebsen vor sich hin; seit sieben Jahren sind sie nicht mehr in der Bürgerschaft vertreten; bei der letzten Wahl 1982 fielen sie mit 2,6 Prozent in den Rang einer Splitterpartei zurück.

Der sympathisch quirlige und umtriebige Ingo von Münch geht mit ungebremstem Elan daran, den Liberalen wieder Leben einzuhauchen. Und jene Hamburger, die seit Jahr und Tag darauf warten, daß den regierenden Sozialdemokraten ein wenig Beine gemacht wird – die oppositionelle CDU ist dazu zu lahm, und die Grünen allein schaffen es nicht –, werden den neuen Hoffnungsträger mit Wohlwollen begleiten.

Warum begibt er sich in die Politik? Nach dreißig Jahren über Büchern ein neues Leben? Mit 52 Jahren noch einmal neu anfangen? „Wer wirklich gut ist, strebt von den Universitäten weg“, meint ein süddeutscher Professorenkollege lakonisch und prophezeit Ingo von Münch, daß dieser noch viel tiefer in die Niederungen der Politik gezogen werden wird ... v. k.