Gegen Agoraphobie, die Furcht vor großen Plätzen und Straßen, scheint es ein einfaches Mittel zu geben: richtiges Atmen. Menschen, die unter Agoraphobie leiden, neigen offensichtlich dazu, zu rasch und zu heftig zu atmen. Bei einer solchen Hyperventilation (einer verstärkten Atmung also) sinkt die Kohlendioxid-Konzentration im Blut. Das hat mehrere Folgen. So ziehen sich die Blutgefäße im Gehirn zusammen und versorgen es nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff. Um den Zusammenhang zwischen Hyperventilation und Agoraphobie zu studieren, forderten Wissenschaftler des Londoner St. Bartholomew-Hospitals Agoraphobiker und furchtlose Versuchspersonen auf, auf Kommando so heftig wie möglich zu atmen. Die Agoraphobiker litten daraufhin nicht nur unter leichtem Schwindel und Benommenheit, über die auch die anderen Versuchspersonen berichteten. Sie erlebten zudem ihre phobischen Symptome, wie Angst, Übelkeit, Furcht und Brustschmerzen. Einem Teil dieser Agoraphobiker boten die Londoner Forscher nun ein Atemtraining an. Neun Patienten mußten zunächst lernen, richtig – das heißt mit dem Bauch – zu atmen. Danach erhielten sie dasselbe verhaltenstherapeutische Training wie eine zweite Gruppe von Agoraphobikern. Beide Gruppen hatten nach der Therapie deutlich weniger Angst vor Sraßen und Plätzen. Nach sechs Monaten freilich litten die Mitglieder der reinen Verhaltenstherapie-Gruppe wieder vermehrt unter Platzängsten, während die Patienten, die ein zusätzliches Atemtraining erhalten hatten, keinen einzigen Panikanfall mehr bekamen. „Ich glaube, das ist ein Durchbruch“, erzählte Beverly Timmons vom Londoner Forscherteam dem Fachblatt New Scientist. „Atemübungen sind sicher nicht die einzige Antwort, aber nach ihnen sollten wir zuerst schauen. Sie nehmen den Agoraphobikern das entsetzliche Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.“ Inzwischen bietet das St. Bartholomew-Hospital allen Agoraphobie-Patienten ein Atemtraining an, bei dem sie über ein Biofeedback-Verfahren sofort selber sehen können, wann sie richtig atmen. reo

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Die Zecken-Hirnhautentzündung wurde 1984 in der Bundesrepublik mehr als hundertmal registriert. In Österreich erkrankten gar 335 Menschen an der durch blutsaugende Milben-Arten übertragenen viralen Infektionskrankheit, wobei fünf Patienten starben. Das Leiden ist in Osteuropa, Österreich und Süddeutschland schon relativ weit verbreitet; der nördlichste bundesdeutsche Fall wurde im Hemmoor an der Unterelbe bekannt. Gegen die im Fachjargon „Frühsommer-Meningo-Enzephalitis“ genannte Krankheit gibt es noch keine Therapie. Schutz bietet allein eine Impfung, die in drei Etappen erfolgt (vier. Wochen nach der ersten und zwölf Monate nach der zweiten Immunisierung). Erst die dritte Impfung bietet die volle Schutzwirkung.