Von Elke von Radziewsky

Seit bald vier Jahren besteht es, das Frauenmuseum in Bonn. Männer, denen man von diesem Museum erzählt, sind empört. Wollen sie denn immer wieder auf ihre angebliche Benachteiligung pochen? Frauen sind ebenfalls entrüstet. Hatben wir es nötig, uns abseits zu stellen, uns auszusondern? Es schadet den Frauen doch viel mehr, sich in Enklaven zurückzuziehen, sich zu schützen vor dem vergleichenden Urteil. Dies und ähnliches hört man. Wozu brauchen also Frauen ein eigenes Museum, eigene Ausstellungen? Was in aller Welt wollen sie damit beweisen? Die Ablehnung überwiegt, die Neugierde auf das, was denn dort probiert wird, ist gering, sie verschwindet einfach und bequem hinter der Empörung. Gründe gegen ein Frauenmuseum: Sie sind an drei Fingern abzuzählen. Zuerst einmal dieses überholte Gefühl, Künstlerinnen würden unterdrückt. Heute – so heißt es doch – kann jede Frau, wenn sie nur will, Gleiches erreichen wie ein Mann. Dann die Kindergartenfunktion. Emanzipierte Frauen wollen sie sein, wozu brauchen sie dann ein eigenes Übungsfeld, brauchen sie Mauern, hinter die sie sich verkriechen können, bis sie schließlich aus der Schonzone ins Freie treten. Und endlich: Die Frauen stellen sich mit ihrem Frauenmuseum selbst ins Abseits, beweisen ja erst recht ihre Schwäche, ihre Unsicherheit.

Wie stellt man sich ein Frauenmuseum überhaupt vor? Eingetaucht in lila Farbe. Bedeckt mit den Abzeichen der Weiblichkeit und natürlich für Männer gesperrt. Ist es typisch so, wie man es erwartet, oder vielleicht ganz anders, normal eben wie jedes Museum ohne weibliche Eigenart?

Das Bonner Museum ist ein typisches Frauenmuseum. Es liegt etwas versteckt inmitten langer alter Wohnstraßen. Zahlreiche kleine Läden gibt es hier, alte Frauen und Männer, die auf Kissen gelehnt aus den Fenstern im zweiten Stock schauen. Viele Studenten, viele Ausländer, viele Kinder wohnen hier. Hinter einer lila gestrichenen Mauer fliegt erst ein Vorplatz, ein paar Beete, dann das alte Textilkaufhaus, dreigeschoßig, ein einfacher Industriebau. Mit großen rosa Lettern steht auf die weiße Wand gemalt: Frauenmuseum †.

Gleich vorn im Flur ein Fahrrad, ein paar Tische mit Prospekten, eine Art Tresen mit der Kasse und den Katalogen, ein Webstuhl mit halbfertigem Gewirkten in Lila, dahinter weitet sich der Raum. Erstes Licht brennt im Café links. Tische, Stühle, auf dem nackten Steinfußboden liegen alte Teppiche. Vieles ist vom Sperrmüll. Auf den Tischen weiße Tücher, darüber lila Deckchen und Kerzen in leeren Flaschen. Zwischen den alten Raumstützen hängen Stoffbahnen. Bilder, Plakate, Flugblätter an den Wänden, auf einem zentralen größeren Tisch Berge von Papier. Nichts Perfektes, viel Improvisation, im Detail betont hervorgehobene Weiblichkeit – das ist der erste Eindruck.

Geleitet wird das Frauenmuseum von einem Frauenkollektiv. Neun sind es zur Zeit, die den Vorstand bilden, die Frauen eben, die die Hauptarbeit machen. Es gibt zwar, wie das Vereinsrecht vorschreibt, eine Vorsitzende, aber die hergebrachte Funktion einer Museumsdirektorin hat sie nicht, hat keine der beteiligten Frauen. Entscheidungen werden von denjenigen getroffen, die da sind. Natürlich gibt es Sachbereiche, für die einzelne zuständig sind. Marianne Pitzen organisiert die Ausstellungen. Sie ist Künstlerin und eine der Initiatorinnen des Museums, von Anfang an dabei. Barbara Wessel, Krankenschwester von Beruf, sorgt für die Öffentlichkeitsarbeit. Annelene Bantzer, ebenfalls Künstlerin, ist die Dame vom Archiv.

Das Künstlerinnen-Archiv ist neben Frauenbildungswerkstatt, Frauenzeitung, Workshops eine der Hauptaufgaben, die sich das Frauenmuseum stellte. Feministische Künstlerinnen leiden gerade unter der Furcht vor der Geschichtslosigkeit. Der Kunstgeschichte, von Männern für Männer gemacht, glauben sie nicht. Frauen malten, stickten, fertigten wertvolles Kunstgewerbe an. Kaum etwas davon ist überliefert. Immer wieder auf Angelika Kauffmann und Paula Modersohn zu verweisen, ist unbefriedigend, ja fast lächerlich. Die Angst, nicht in die Geschichte einzugehen, nicht geschichtswürdig zu sein, keine Spuren zu hinterlassen, das schmerzhaft empfundene Fehlen einer eigenen Kunsttradition ist etwas, das im Gegensatz zu dem zu stehen scheint, was dieses Frauenmuseum sonst charakterisiert.