ZEIT: Nordrhein-Westfalen hat im Bundesrat einen Gesetzentwurf eingebracht, der Niveau und Dauer der Leistungen an die Arbeitslosen nach dem Arbeitsförderungsgesetz deutlich verbessern soll. Auf welche Gruppen der Arbeitslosen zielt Ihr Entwurf?

Farthmann: Dieser Gesetzentwurf hat eine doppelte Zielrichtung, einmal Arbeitslose aus dem sozialen Elend zu befreien, soweit das möglich ist, und zweitens die Kommunen zu entlasten, die zunehmend für Langzeitarbeitslose aufkommen müssen.

ZEIT: Was wollen Sie konkret für die Arbeitslosen tun?

Farthmann: Zu den wichtigsten Punkten gehören: Das Arbeitslosengeld soll auf anderthalb Jahre verlängert werden. Die Bundesregierung hat zum Jahresbeginn diese Bestimmung für alle über fünfzigjährigen Arbeitslosen eingeführt, wir wollen das für alle Arbeitslosen.

Das zweite ist die Erhöhung des Arbeitslosengeldes für Auszubildende nach Abschluß der Lehre. Diese jungen Menschen sollen so gestellt sein, als ob sie als Facharbeiter arbeitslos wären. Derzeit wird für die Berechnung des Arbeitslosengeldes nur der halbe Facharbeiterlohn zugrunde gelegt.

Drittens soll die Schlechterstellung der Kinderlosen beseitigt werden. Ihr Arbeitslosengeld wurde von der Wende-Koalition in Bonn von 68 auf 63 Prozent reduziert. Das wollen wir rückgängig machen.

Außerdem: Öffnung der Arbeitslosenhilfe, nicht des Arbeitslosengeldes, für alle, die von Hochschulen, Fachhochschulen und beruflichen Schulen kommen. Die bekommen bisher nichts vom Arbeitsamt.