Von Barry Graves

München

Es hätte eine unangenehme Situation werden können, dieses Interview im Vorübergehen, zwischen der Generalprobe für eine Live-Fernsehshow und dem Umziehen vor dem Abendessen. Doch Arnold Schwarzenegger ist die Ruhe selbst: Er ist ja nun ein fulltime businessman, wie er in seinem anglisierten Grazer Dialekt sagt, da kann ihn ein gedrängter Terminplan nicht irritieren. Außerdem: was sollte ich ihn fragen können, was er nicht schon hundertmal beantwortet hätte?

Sein Händedruck ist nicht kernig, er stapft nicht breitbeinig durchs Foyer, seine sanfte Stimme wird nur manchmal auf gemütliche Art polternd. In München, der Stadt seiner ersten Erfolge und Pokale, gibt Schwarzenegger sich nahezu bescheiden. Daheim in Santa Monica hingegen, lese ich später im Esquire, zeigt er sich gern als Lokalmatador. In Venice, am Pazifikstrand der Bodybuilder, ist er ohnehin der King.

Was ist denn nun am Bodybuilding das sportliche Element? frage ich ihn. Arnold Schwarzenegger zieht die Augenbrauen zusammen und schiebt mürrisch die breite Unterlippe vor. „Was soll ich in Details gehen“, schnaubt er. „Ich habe vier Bücher darüber geschrieben, die sagen alles. Eine Föderation in der Schweiz hat es als Sport anerkannt; demnächst soll es sogar olympische Disziplin werden. Sportmagazine schreiben ständig darüber, auch in den Sportsendungen des amerikanischen Fernsehens wird jetzt regelmäßig über Bodybuilding berichtet.“

Der 37jährige Steiermärker hat den Bodybuildern in aller Welt, die sich bislang mit ihrem schweißtreibenden Hobby ins Zwielicht gedrängt sahen, neues Selbstvertrauen gegeben. Den schlappen Großstadtkörper unter eine Nautilus-Trainingsmaschine zu zwängen oder grobes Hantelgerät bis zur Erschöpfung zu stemmen, gilt heute als schickes Freizeitvergnügen. Wer sich Muskeln auf den Torso packt, braucht nicht mehr zu befürchten, als Prolet verdächtigt zu werden.

Mit flotten Sprüchen und einer gehörigen Portion Selbstironie hat Arnold Schwarzenegger die Kraftmeierei vom Podest der grotesken Show-Verrenkungen geholt. Früher hat sich ein streßgeplagter Manager beim Tennis schlankgespielt oder beim Schwimmen rangekrault; jetzt stemmt er Gewichte gegen Fett auf der Hüfte, gegen Herzinfarkt und Wirbelsäulen-Komplikationen. Außerdem die Frauen ...