Fast drei Jahre lang haben sich die Amerikaner geweigert, einen Zusammenhang zwischen ihren hohen Haushaltsdefiziten, den hohen Zinsen, dem starken Dollar und dem horrenden Handelsbilanzdefizit zuzugeben. Das war die Zeit, in der die Regierung in Washington nicht bereit war, etwas zum Abbau der Haushaltsdefizite zu tun. Seit März dieses Jahres ist es anders. Im Weißen Haus hat ein Umdenken stattgefunden, vermutlich deshalb, weil auch die eigene Industrie und die Landwirtschaft unter dem überbewerteten Dollar leiden. Rechtzeitig vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Bonn hat Außenminister George P. Shultz signalisiert, daß es mit der Verweigerungshaltung des Weißen Hauses nun ein Ende habe.

Die neue Linie sah so aus: Abbau des Haushaltsdefizits, Verringerung der öffentlichen Kapitalnachfrage, sinkende Zinsen, sinkender Dollarkurs. Auf dieser Basis hat der amerikanische Präsident denn auch auf dem Gipfel argumentiert. Das muß so eindrucksvoll gewesen sein, daß die europäischen Partner ihrerseits nicht nachstießen und eine Kürzung des Haushaltsdefizits verlangten. Sie haben Ronald Reagan abgenommen, daß die eingeleiteten Maßnahmen, nimmt man die Kongreßbeschlüsse über Kürzungen bei den Verteidigungsausgaben hinzu, ausreichen werden, um das Ziel zu erreichen.

So leichtgläubig war offensichtlich auch der Devisenmarkt. Schon am zweiten Tag nach dem Gipfel begann der Dollarkurs zu sinken. R. H.