Mit dieser Kolumne haben wir schon einmal, auf den Literatur-Seiten, während einiger Wochen Ende 1984 auf ein Wörterbuch als Lesebuch aufmerksam gemacht. Das Merkwürdige ist ja gesehenen, daß eine scheinbare Antiquität zur Sensation auf dem Buchmarkt wurde. Der Nachdruck des „Deutschen Wörterbuches“ der Brüder Grimm im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv), München, war in 10 500 Exemplaren innerhalb weniger Wochen vergriffen. Tausende gingen leer aus. Schon zum Jahresbeginn lagen fast 5000 Vormerkungen vor. So hat sich der Verlag entschlossen, dieses Hausbuch der deutschen Sprache in einer zweiten Auflage noch einmal zum erstaunlichen Preis von 980 Mark herauszubringen (befristet bis zum 31. Dezember 1985). Weil für diesen Nachdruck ein besonderes Papier extra hergestellt werden muß, kann die Nachauflage erst im September wieder auf den Mark kommen.

Um das Lob dieses Jahrhundertwerks (ZEIT Nr. 48 vom 23. November 1984) ein bißchen mit Zitaten zu untermauern, bringen wir einen zweiten Teil dieser Serie „Lernt deutsch mit Grimm“. Es wird nur zitiert – und gekürzt, wann immer Belege oder Kommentar der klugen Wissenschaftler nur noch für Sprachforscher interessant sind. Deshalb halten wir uns auch an die Kleinschreibung der Brüder Grimm und ihrer germanistischen nachfolger bis in unsere zeit. Kursiv-Schreibung heißt: Definition oder Kommentar der Verfasser des Wörterbuchs. Was nicht schräg gedruckt erscheint, ist Beleg, also Zitat aus einem Werk der Literatur oder aus einem Dokument der Geschichte unserer Sprache.

Die Vignette ist ein Ausschnitt des Engels mit Flügeln, Eichenkranz und Fackel, den Ludwig Richter, nicht zur Freude der Grimms, für das Titelblatt des „Wörterbuches“ gezeichnet hat, mit dem Anfangsvers aus dem Evangelium des Johannes in Luthers Übersetzung: „Im Anfang war das Wort.“ R. M.

FREITHOF, masculinum, atrium, coemeterium, kirchhof, althochdeutsch frithof, vom gotischen freidjan, temperare – schonen. man sagt heute friedhof, gleichsam, Stätte des friedens und der ruhe oder gefriedeter, gefriedigter ort. (eingehegter Raum, bezeichnete zunächst den Vorhof eines Hauses oder der Kirche. Mit kirchlicher Weihe wurde dieser Kirchhof zur Begräbnisstätte.)

FREITHOFBLÜMLEIN, neutrum, graues haar, das einzeln zum Vorschein kommt.

GOTTESACKER, masculinum, friedhof, kirchenland. seit 1369 in Wien nachweisbar als goczachker. im 17. Jahrhundert (erster beleg 1605) findet sich das wort als gods aker gelegentlich in englischen reiseberichten über deutsche Städte, im 19. Jahrhundert begegnet es im englischen wieder als god’s acre.

1) friedhof.