Bei den Aktien geht die Gratwanderung auf hohem Niveau weiter. Für einen neuen generellen Anstieg ist die Luft offenbar zu dünn geworden. Mit einiger Besorgnis wurden in den Börsensälen die Stagnation der Industrieproduktion im März und die rückläufigen Industrieauftragseingänge zur Kenntnis genommen. Nachrichten, die im Widerspruch zum amtlichen Konjunkturoptimismus stehen, dem die Ausländer bisher zu folgen bereit waren. Noch sorgen deren Kaufaufträge für ein hohes Maß an Kursstabilität.

Die inländischen Anleger waren in dieser Woche zeitweise betont auf Sicherheit ihrer bisherigen Kursgewinne bedacht. Dies nicht zuletzt im Hinblick auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Für alle Verkäufer stellt sich aber sofort die Frage: Wohin mit dem Geld? Wall-Street-Aktien gelten gegenwärtig nicht als brauchbare Alternative, weil der Konjunkturaufschwung in den USA im ersten Quartal 1985 deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb und die Unternehmensgewinne entsprechend mager ausfielen.

Eine gewisse Kursreserve wurde in deutschen Bankaktien entdeckt. Bei ihnen kam es zu sprunghaft steigenden Kursen und damit zu einem während der laufenden Aktienhausse noch nicht erreichten Höchststand. Überrascht hat, daß auch die Aktien der Commerzbank an der Aufwärtsbewegung teilgenommen haben. Sie litten bisher unter einem Abgabedruck, der mit der Verärgerung darüber erklärt wurde, daß der Commerzbank-Vorstand für 1984 auf eine Dividendenanhebung verzichtet und den Aktionären keine Aussicht auf eine echte Kapitalerhöhung eröffnet hat. Das zu erwartetende Bezugsrecht auf Genußscheine wird nicht sonderlich hoch bewertet. K. W.