Von Peter Radunski

Electronic campaigning – das ist Amerikas Wahlkampf, der Wahlkampf mit Fernsehen und Computer. Schon auf den ersten Blick fällt dem deutschen Beobachter auf, wie dominierend das Fernsehen ist: mit Nachrichtensendungen und Berichten über Wahlkampfaktivitäten ebenso wie mit unzähligen bezahlten Fernsehspots der Kandidaten und Parteien. Auf den zweiten Blick wird dann deutlich, welche Rolle der Computer im Wahlkampf schon spielt. Hier geht es vor allen Dingen um Wählermobilisierung und Spender.

Dieser Wahlkampfstil stellt ganz auf den Kandidaten ab und betont die Visualisierung der Politik, Spezialagenturen bestimmen die Wahlkampfführung, eine Art Wahlkampf-Industrie ist entstanden. Anders in Deutschland. Hier führen Politiker und ihre Parteien selbst den Wahlkampf: Der Inhalt und der Stil der Wahlkampagne wird politisch vorgegeben, bevor Agenturen Werbekampagnen entwickeln.

Die politische Kommunikation als moderne Wahlkampfführung ist eine Bemühung um den Wähler auf vielen Ebenen: in den Massenmedien, im persönlichen Bereich und im organisierten und nicht-organisierten vorpolitischen Raum. Aktuelle Hauptstichworte der politischen. Kommunikation sind heute: Fernsehwahlkampf, Mobilisierung der eigenen Anhänger, Personalisierung, Themenkampagne und Angriffswahlkampf.

Die Personalisierung der Politik stellt den Kandidaten in das Zentrum einer Wahlkampagne. Der Spitzenpolitiker ist zugleich Hauptdarsteller und Regisseur seiner Kampagne. Als Hauptdarsteller tritt er im Fernsehen auf, hält Versammlungen ab, gibt Interviews, ist die Hauptfigur in der Werbekampagne seiner Partei mit ihren Anzeigen, Plakaten, Fernseh- und Hörfunkspots. Er ist selbst der Inhalt der Kampagne und das wichtigste Angebot seiner Partei an die Wähler. Darüber hinaus wird von ihm auch die Regie seiner Wahlkampfführung, die gekonnte Vorbereitung verlangt.

Bei der Darstellung der Themen im Wahlkampf kann es sich um Angriff auf den politischen Gegner oder um positive Selbstdarstellung handeln. Die Wählermotivation ist nicht nur eindimensional. Es wird nicht nur für, sondern auch gegen eine Partei oder gegen einen Politiker gestimmt. Der Angriffswahlkampf (negative campaigning) kann in drei Formen auftreten: 1. gegen Personen, 2. mit außenpolitischer Gefahrandrohung, 3. gegen Ideologien.

Peter Radunski ist Geschäftsführer der CDU