Interview mit Coordt von Mannstein

DIE ZEIT: Lassen sich Politiker wie Waschmittel vermarkten?

Coordt von Mannstein: Nein, Waschmittelwerbung kann ihr Pulver gezielter verschießen. Politiker müssen sich zuerst einmal selbst verkaufen, vor allem im Wahlkampf. Dabei können wir ihnen Schützenhilfe geben – mit den Medien der Waschmittelwerbung, wenn auch nicht mit ihren Mitteln.

ZEIT: Worin besteht dann der Unterschied, wenn für Oskar Lafontaine mit einem weißen Aufkleber und roter Aufschrift „Oskar“ – weiter nichts – geworben wird, und die Kaffeefirma Tchibo mit einem weißen Aufkleber und der roten Aufschrift „Alles frisch“ wirbt?

von Mannstein: Da sehen Sie genau den Unterschied zwischen Markenartikelwerbung und Wahlkampfwerbung. Gleiches Medium: Aufkleber; aber grundverschiedene Inhalte und Motivationen. „Alles frisch“ klebt, weil der Autofahrer in einem Preisausschreiben gewinnen will; „Oskar“ klebt, weil der Autofahrer will, daß sein Lafontaine die Wahl gewinnt.

ZEIT: Was hat ein Dackel mit der Politik von Eberhard Diepgen zu tun? Oder an welche Gefühle appellieren Bären und Nilpferde?

von Mannstein: Wir sind in Berlin deshalb auf den Hund als Großflächenplakat gekommen – oder den Bären oder das Nilpferd –, weil wir darin menschlich kommunizierende Vehikel für politische Leistungen sehen, die eine Menge mit Gefühl zu tun haben: das Wohlgefühl des Berliners in seiner Stadt, in der die Politik Diepgens spürbar wird, der auch für Dackel neue Bäume pflanzt.