Das Gipfel-Spektakel ist vorüber, und die Innenpolitik, verdrängt, aber nie vergessen, tritt wieder in ihr volles Recht. Am Sonntag wählt Nordrhein-Westfalen, das größte Land der Bundesrepublik. So themenarm die Wahlkämpfen, so karg die politischen Botschaften waren: Das Ergebnis wird nachhaltig wirken.

Wird die CDU ein so kümmerlicher Verlierer, wie dies Umfragen vermuten lassen, dann wird dies auch den Bundeskanzler treffen. Die Suche nach den Schuldigen wird beginnen, und sie wird nicht bei Bernhard Worms, dem kleinen Kohl von Düsseldorf, enden. Auch für die SPD steht viel auf dem Spiel. Eine winzige Wählermarge kann den entscheidenden Unterschied ausmachen: zwischen vollem Triumph und bittersüßem Erfolg, zwischen einem Ministerpräsidenten Rau, der mit absoluter Mehrheit weiterregieren kann und dessen Kanzlerkandidatur nicht mehr aufzuhalten ist, und einem Politiker, der zwar ein respektables Ergebnis erreicht hat, aber des Regierens nicht mehr froh wird.

Bei den Freien Demokraten geht es darum, ob sie endgültig – und auf Kosten der CDU – sich sanieren können: ungeliebter und unersetzbarer Partner der Union auch für die nächste Bundestagswahl. Für die Grünen schließlich geht es wirklich um ihre Existenz. Scheitern sie in Düsseldorf, wird die Frage akut, ob sie in der Bundespolitik noch eine Zukunft haben.

Testwahl für Bonn? Wohl kaum, ein Stimmungstest aber allemal. -el