Aber was wird bleiben von all den Gesten der vergangenen Tage: Versöhnung, Zusammenarbeit oder neue Entfremdung?

Von Dieter Buhl unter Mitarbeit von Carl-Christian Kaiser, Roger de Weck, Ulrich Schiller, Rudolf Herlt, Peter Christ und Rudolf Wagner

Eine solche Kulisse mag den beiden Hauptdarstellern vorgeschwebt haben, als sie vor Monaten den Deutschlandbesuch verabredeten. Schloß Hambach liegt in gleißendem Sonnenlicht, eingebettet in das frische Grün der Wälder ringsumher. Die riesigen Fahnen der beiden Länder auf dem Turm heben sich majestätisch vom tiefblauen Himmel ab, und eine erwartungsvolle Menge harrt der Gäste. Die meisten der jugendlichen Gesichter verraten Respekt und Zuneigung. Endlich, nach fünf anstrengenden, bewegenden, nervenzerreißenden Tagen erleben Helmut Kohl und Ronald Reagan doch noch ein politisches Idyll, wie sie es beide so oft und gern beschwören.

Das fröhliche Finale war nicht von Anfang an zu erwarten gewesen. Ein 74jähriger, den Segnungen einer verklärten Vergangenheit verhafteter Präsident, der sich an "die deutsche Jugend" wendet? Da waren Mißverständnisse und Peinlichkeiten zu befürchten. Aber Reagan zeigt sich der Herausforderung gewachsen. Er erinnert die jungen Deutschen an die historische Bedeutung ihres Landes und mahnt sie, ihre Freiheit zu Leistungen für Deutschland und Europa zu nutzen. Die Mischung aus Pathos und Erweckungspredigt verfehlt auch beim deutschen Publikum ihre Wirkung nicht. So sichtlich erfreut der Applaus den Präsidenten, daß es beinahe selbstverständlich klingt, als er mit Inbrunst und auf Deutsch beteuert: "Wir fühlen uns hier zu Hause."

Warum sollte er das Gefühl auch nicht haben, im Angesicht der adretten jungen Menschen, die seine Gedanken so ganz offensichtlich teilen und die schon beim überaus herzlichen Beifall für den christdemokratischen Landesvater Bernhard Vogel ihren politischen Standort offenbart hatten? Es ist doch wirklich fast wie zu Hause, wie bei den blitzsauberen jungen Republikanern, die weder gegen Washingtons Mittefamerikapolitik protestieren noch Zweifel an einer darwinistischen Wirtschaftspolitik hegen. Fast fehl am Platze in der begeisterten Menge wirken die vier Realschüler aus dem benachbarten Neustadt an der Weinstraße, die gekommen sind, obwohl sie eigentlich an einer Klassenfahrt nach Berlin teilnehmen sollten, obwohl sie es "nicht gut finden, daß sich der Präsident zum KZ-Besuch hat überreden lassen müssen", und obwohl "die Politiker immer so unnahbar sind und über uns hinwegreden".

Telegene Motive

Im dichten Gewühl des Aufbruchs war keine Gelegenheit mehr, zu erfragen, ob sich die Schüler diesmal von den Politikern angesprochen fühlten, ob sich der Weg hinauf zum Scnloß für sie gelohnt hatte. Aus dem Stab des Weißen Hauses hingegen war um so eindeutigere Auskunft zu erhalten. "Das war doch fabelhaft, nicht wahr", meinte ein Mitglied des amerikanischen Vorauskommandos für den Reagan-Besuch mit Triumph in der Stimme. Worauf der Sicherheitsberater des Präsidenten, McFarlane, nur zustimmend nicken konnte. Endgültige Genugtuung aber erlebte der Quartiermacher, der wie seine Kollegen in den vergangenen Wochen besonders wegen der mangelhaften Bitburg-Planung gebeutelt worden war, als ihm ein bekannter US-Fernsehreporter versicherte, das Motiv auf Schloß Hambach sei ganz "wunderbar" gewesen.