Der – meist abwegige, aber gängige – Vorwurf „Rotfunk“ bezieht sich fast stets auf Wort- und Kultursendungen. Am Anfang war das Wort; jetzt ist es, etwa beim RIAS, am Ende. Man sendet gleichsam weiße Seiten: Die Berieselungsanlage Radio Luxemburg als Modell fest im Auge, wird das Programm für RIAS I und RIAS II „neu strukturiert“.

Auf deutsch: Wir machen Musik, Musik, Musik; für ältere Hörer (ab fünfundvierzig) Seemanns-, Volks- und Wanderlieder, deutsche Schlager und Operettenmelodien – für die „kritische“ jüngere Generation Pop und Rock. Also Hirsebrei für die Hirne. Riesel-RIAS. „Wortbeiträge sollen (in den Magazinen) in Zukunft nicht länger als dreieinhalb Minuten lang sein“, heißt es offiziell. No Future – No Culture scheint das neue Motto: das Hörspiel um ein Drittel Sendezeit gekürzt, für den scheidenden Hörspielchef kein Nachfolger.

Die Schlange Privatfunk blinzelt noch kaum – schon ist das Kaninchen ARD hypnotisiert. ARD-Programmdirektor Schwarzkopf: „Allein das Vorzeigen der Folterwerkzeuge, also die Ankündigung, daß es nun private Konkurrenz geben wird, hat bei der ARD manches in Bewegung gebracht. Eines steht fest: Die psychologische Wirkung der Privaten war bisher größer als die reale.“

Hier beginnt das Politikum: Den Menschen wird systematisch das Denken abtrainiert. Zusammenhänge im Vier-Minuten-Takt? Fast-food ist schon schlimm genug; Fast-think ist Info-Speichern statt Denken. F.J.R.