An den Ufern des Guadalquivir, im Hafen von Santa Maria, in Jerez und Sevilla, schütteln die Frauen ihre Röcke. Hier lebt Don Juan noch, lockt Carmen die Männer an, geißeln sich in der Karwoche mit rasselnden Ketten die Kapuzenmänner, und der Stierkämpfer spielt Sonntag für Sonntag mit seinem Leben.

Als Spaniens Außenminister Moran vor wenigen Wochen in Brüssel verbissen um den Eintritt seines Landes in die EG kämpfte, bewegte der Fall des „Stierkämpfers und der schlechten Frau“ nicht nur die Regenbogenpresse, halb Spanien stöhnte, und Cambio 16, das größte spanische Nachrichtenmagazin, erschien mit dem Titel „Sevilla verzieh Paula“. Was war passiert? Ein 26jähriger Richter hatte Cossio Rafael de Paula, Zigeuner und König unter den Stierkämpfern, verhaften lassen. Paula und sein Freund, ein Wurstfabrikant, wurden der Anstiftung zum Mord angeklagt.

Die Carmen in der Affäre war die Zigeunerin Marina Munoz Leyton, Paulas Ehefrau und Mutter seiner drei Kinder. Selbst Tochter eines Stierkämpfers aus Málaga, brannte sie mit 17 Jahren von zu Hause durch, um Flamencotänzerin zu werden. Eine gutaussehende Frau mit langen schwarzen Haaren und schönen Katzenaugen.

Der „Andere“ war José Gömez Carillo, ehemaliger Fußballspieler des F.C. Cádiz, ein kleiner, freundlicher Familienvater in den Fünfzigern mit angegrauten Schläfen. Er ist inzwischen zweiter Manager des Spielcasinos der Stadt. Dort, an den „einarmigen Banditen“, lernte er seine Carmen kennen.

„Von drei Messern getroffen“ – wie bei Garcia Lorca – „sank er zu Boden“, hieß es zuerst. Tatsächlich stachen zwar zwei gedungene Ganoven auf ihn ein, aber sie verletzten ihn nur leicht. 25 000 Peseten – 250 Mark – hätten sie für ihre Tat von Paula und seinem Freund bekommen, bekannten die Messerstecher bei ihrer Festnahme.

Aber wie kam die Polizei dazu, wegen dieser Lappalie den Meister zu verhaften, noch dazu in der Arena und im Kostüm? „Die Nazarener werden Paula verteidigen. Er muß Ostern bei der Prozession dabeisein“, tobten die Kapuzenmänner der religiösen Bruderschaft, der Paula angehört.

„Marina? Marina ist doch Fleisch für den Schlachthof“, wetterte die Sängerin Juana la Cantarote unter dem Beifall der Barbesucher in Jerez. Denn daß ein Stierkämpfer nicht ein Gehörnter sein kann, besagt schon ein alter Spruch, und das mindeste, was eine Frau einem Stierkämpfer schuldet, ist Treue.