Von Wilfried Hartmann

Da sind sie wieder, die Gladiatoren des Politzirkus. Es ist Wahl in NRW. Wer ist der Größte, der Schönste, der Dümmste, der Dickste – Pardon, letzteres natürlich dürfte entschieden sein, seit unseres Kanzlers österreichischer Entschlackung – vorn liegt Martin der Breite, der liberale Schlagschattenwerfer, der Grundrentenfachmann aus dem Fettnäpfchen. Da möchte man den Wahlkampf ohne h schreiben.

Wer fragt bei solcher Gewichtigkeit kleinlich nach Qualifikationen. Da wird nicht gekleckert, da wird geklotzt! Und siehe, es wirkt – und wie! Niemand redet bei der FDP mehr vom sinkenden Schiff. Fett schwimmt halt oben, und welcher Wirtschaftsminister wäre je ähnlich fulminant ins Schwimmen geraten. Das reicht für 100 Landtagswahlkämpfe, selbst wenn, was wir nicht ganz vergessen wollen, der eigentliche Kandidat ein gewisser Achim Rohde aus Düsseldorf sein soll, ein Mann mit dem traurigen Blick einer mumpskranken Eule.

Wie bin ich hier hergekommen, scheint er sagen zu wollen? Wer zwängte mich in Möllemanns Mantel? Was soll denn einer wie ich im Parlament? Egal! Wie liest man doch auf allen FDP-Plakaten: „Die F.D.P. muß wieder in den Landtag.“ Warum, steht leider nicht dabei. Damit die von der Straße kommen vielleicht, etwa nach dem Hausmannmodell bei untertariflichen Diäten? „Sag Ja“ steht auf den Plakaten dieser Jasager-Sammlungsbewegung. Nun gut, warum nicht. Dazu sollten wir alle ja sagen am 12. Mai. Laut und deutlich sollte jeder beim Frühstück „JA“ sagen. Dann sollte er zum Wahllokal gehen und sein Kreuzchen anderswohin machen.

Aber wohin? Wohin nur?

Bei den Grünen vielleicht? Als Trost für den Saarschock? Es hatten sich ja tiefe Depressionen bei denen breitgemacht. Es kam eins zum anderen. Die RAF-Diskussion beziehungsweise die über das staatliche Gewaltmonopol, und das nur weil bei diesem Monopoly zwei von denen die Karte „Gehe in das Gefängnis...“ gezogen hatten. Dann die Sache mit dem Kindersex, tagelang durfte unser Jüngster nicht auf die Straße. Allerdings, was soll man erwarten, wenn der Landesgeschäftsführer Pannen heißt? Immerhin führen die Grünen als einzige Partei einen Plural als Namen. Das wirkt sich aus. Die sollen von Bonn aus ja bereits die Einrichtung einer Koordinierungsstelle für die Dementis geplant haben.

Dennoch, was ein einzelner Grüner sagt, muß nicht zwangsläufig der Parteilinie widersprechen. So hat, um der allgemeinen Zerrissenheit und Depression Ausdruck zu geben, der Landesvorstandssprecher Jörg Penner – als er kurz erwachte – voller Optimismus bekanntgegeben, daß man kaum mehr mit der Bewältigung der Fünf-Prozent-Hürde rechne. Dann ist er wohl wieder eingeschlafen, denn siehe ein Wunder geschah, es ging bergan. Die Stimmung stieg. Freude und Eifer machte die Runde, Hoffnung bemächtigte sich selbst eines jungen karrierebewußten Mannes mit dem Namen Niehoff, der in einem Interview verkündete, man rechne nun mit sieben bis acht Prozent, „..das könnte gerade für mich reichen, ich stehe auf Platz 14 ...“ Na bitte! Auch die Bundestagsgrünen helfen, durch die Wahl eines Menschen namens Hoenes in den Fraktionsvorstand. Bis die Fans von Bayern München gemerkt haben, daß das wer anders ist, ist die Wahl rum.