Tod einer Zeitung

Es gibt sie nicht mehr, die wichtigste englische Tageszeitung Südafrikas, die Rand Daily Mail. In ihrem 83. Jahr haben die Besitzer sie eingesargt. Es war eine mutige, in ihrem Kampf gegen Ungerechtigkeit und Verletzung der Menschenrechte nie nachlassende Zeitung. Über die Hälfte der Leserschaft waren Schwarze – also zu wenig Kaufkraft, zu geringe Reichweite fanden die Besitzer. Die Regierung triumphiert. In der letzten Ausgabe steht das einzige Interview, das Mocambiques Präsident Samora Machel je einem Südafrikaner, dem tapferen Benjamin Pogrund, gewährt hat. Es ist ein Appell an die Weißen Südafrikas: „Vergeßt nicht, daß Ihr Afrikaner seid!“

Um Mitternacht, zur Sommerzeit

Zu unterschiedlichen Zeiten, vom 7. bis zum 9. Mai, feierten die Völker den Tag des Sieges über Hitler-Deutschland. Dafür gibt es zwei Gründe: einmal die Querelen zwischen den Westalliierten und den Russen um Texte und Protokollfragen, wodurch sich die Endunterzeichnung hinauszögerte, sodann die Zeitverschiebung von Ost nach West. Tatsächlich ist die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte am 8. Mai 1945 um 23.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft getreten. Nach deutscher Sommerzeit, die auch für die folgenden Angaben gilt, war es da schon Mitternacht. Unterzeichnet wurde die Kapitulationsurkunde bereits am 7. Mai im Hauptquartier General Eisenhowers zu Reims um 2.41 Uhr in der Frühe. Um 12.45 Uhr verkündete der neue deutsche Regierungschef, Reichsminister Graf Schwerin von Krosigk, das Kriegsende über den Sender Flensburg; eine halbe Stunde später jagte Associated Press die Nachricht um den Globus. Ratifiziert wurde die militärische Kapitulation im Hauptquartier Marschall Schukows zu Karlshorst am 9. Mai genau um 00.16 Uhr. Allerdings trägt die Urkunde das Datum 8. Mai, da die Waffen ja seit einer Viertelstunde schweigen sollten.

Prinz im All

An Bord der Weltraumfähre Discovery wird Mitte Juni Sultan ibn Salman Abdel Aziz al-Saud, Neffe des saudischen Königs Fahd, eine besondere Mission zu erfüllen haben. Der erfahrene Pilot, als Nutzlastexperte im Space Shuttle dabei, auf dessen Flug die Nasa für Saudi-Arabien den Kommunikationssatelliten Arabsat aussetzen will, soll neben seinen wissenschaftlichen Aufgaben nach der Sichel des Neumonds Ausschau halten, die das Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan ankündigt. Die gläubigen Muslime auf Erden erhoffen sich von der Weltraum-Expedition des Prinzen eine präzisere Zeitbestimmung, als sie bislang möglich ist. Die peinliche Fehl-Datierung vom Vorjahr soll so vermieden werden. Damals wurde der Neumond irrtümlicherweise einen Tag zu früh vermeldet. Millionen von Muslimen brachen ihr Fasten ab und stürzten sich in das dreitägige Fest zum Ende des Ramadan.

Bombenstimmung

Schüler freuen sich gewöhnlich, wenn ein paar Schulstunden ausfallen. Den Abiturienten der Deutschen Schule in Brüssel, die an ihrem letzten Unterrichtstag ihren Lehrern und sich selbst ein kaltes Büfett spendieren wollten, verhagelte ein Telephonanruf die gute Laune: Bombendrohung. In Brüssel muß man so etwas heute ernst nehmen. Sofort wurde das Schulgebäude geräumt, Bücher und Schreibzeug blieben zurück – und ebenso die kalten Platten. Falscher Alarm, so stellte sich nach einigen Stunden heraus, also doch wohl das Werk eines faulen Schülers, der sich auf eine Klassenarbeit nicht vorbereitet hatte. Die Abiturienten gingen darum einen Tag länger zur Schule: um ihr Büfett zu verspeisen.