Täglich drängen sie vor die Eisenstäbe der Vermittlungsstelle der Hafenverwaltung auf der Suche nach einem Job. Mal gibt es Arbeit für sie, mal nicht Eine Reservearmee der Armut, die nur gerufen wird, wenn Not am Mann ist

Von Reiner Luyken

Fuzzi hat heute vormittag schon schwer einen eladen. In torkelndem Zickzack steuert er durch die verräucherte Wartehalle auf Kurt zu. Seine Kollegen öffnen ihm eine Gasse. "Hei, Fuzzy", sagt einer. "Reiß deine Klappe nicht wieder so weit auf."

Kurt ist gerade erst durch die Hintertür hereingekommen. Ein massiger Zwei-Zentner-Mann, der seinen gewaltigen Schmerbauch stolz vor sich herschiebt. In einer Mischung aus Herablassung und Kameraderie ruft er dem einen oder anderen bekannten Gesicht in der Halle irgendeinen Schnack zu. Kann er sich leisten. Kurt ist ein mächtiger Mann hier in der Vermittlungsstelle für "Unständige" in der Gesamthafenverwaltung. Er wird jetzt gleich die Namen der Leute aufrufen, die für die Spätschicht noch eingestellt werden.

Endlich hat Fuzzy sein Ziel errreicht. Er klammert sich mit unsicheren Händen an die massiven Eisenstäbe, die Kurts Reich wie einen Raubtierkäfig von der Halle trennen. Er preßt sein Gesicht in den Spalt zwischen zwei Stangen. Das fettigsträhnige Haar hängt ihm wirr in die Stirn, als er Kurt mit einem Redeschwall überfällt.

"Alles klar. Wunderbar", erwidert Kurt gutmütig von oben herab. Und einmal: "Sauf nich’ soviel. Dann schwitzt du auch nich’!" Vielleicht versteht er ihn doch.

Dann blättert er mit gewichtiger Miene durch ein Karteikästchen, das unter seinen dicken Fingern geradezu verloren wirkt. Mittlerweile drängelt sich eine Menschentraube vor ihm am Stangenzaun.