Am Ende des Gedichts kommt wenigstens die gesunde Banalität zu Wort. – Ein Suppentopf im Haushalt, im neugegründeten, hat allemal seine Zukunft. Nicht, daß ein Abfalleimer, ein Bausparvertrag, grüne Socken, Kristallgläser etc. unnütz und zu verachten wären. Aber wenn, wie bei solchen Familienfesten, das Inventar ganzer Schaufenster und Versandhauskataloge auf dem Geschenktisch sich aufbaut, entsteht doch ein bemerkenswerter Zusammenhang. Fassungslos betrachtet man das Nebeneinander von Brauchbarem und überflüssigem Krimskrams, das so viel von gutem Willen und Geschmacklosigkeit, Phantasie und Beschränktheit, Konsumticks und Verbrauchergewohnheiten dokumentiert.

Nicht allein davon, zitathaft, spricht das Gedicht. In Ausschnitten, Momenten, wird die Festivität selber kenntlich, treten Figuren, Dinge und Geräusche auf. Eine Montage zweier Ebenen, oder auch: ein szenischer Vorgang, der durch Zwischentitel, Inserts, durchschossen wird. Der Impuls solcher Vermischungen ist ein ironischer, und er geht so weit, daß die Verzerrung der Vorgänge zu grotesken, zu surrealen Bildern und Figurationen führt.

So erscheint, im Satzverbund gelesen, ein rostfreier Bräutigam, eine Braut in der Geschenkpackung, Kristallgläser an den Füßen. Laut wird der Wunsch, noch einmal eine Knoblauchkette zu sein. Scherben bringen nicht das Erwartete, das Glück, sondern grüne Socken, und was da wächst am Büfett, sind fleischfressende Abfalleimer. „Knutschfleck, Katholisch“: von seinem Titel an konfrontiert das Gedicht Widersprüche, die sich in bewußtloser Gleichzeitigkeit durchdringen. Dabei entstehen absurde Identifikationen. Und der Sprachwitz wird bitter, indem er nicht bloß den Kitsch der Dinge, sondern das hilflos Gutgemeinte, das konventionell Falsche in unserem Verhalten, unseren Riten und Beziehungen zeigt.

Jürgen Becker