Werden israelische Zivilisten als Geiseln genommen, läßt die Regierung in Jerusalem sich nicht erpressen. Dieser harte Grundsatz gilt nicht für Soldaten in Feindeshand. Beim israelisch-palästinensischen Gefangenenaustausch in Genf, Nablus und Kuneitra zahlten die Israelis jetzt freilich einen hohen Preis: Im Austausch gegen drei Israelis wurden 1150 Gefangene aus israelischer Haft entlassen, darunter auch Terroristen, deren Mordanschläge in Israel Angst und grausige Erinnerungen wecken. Zum anderen fordert Israels Rechte im Gegenzug nun Milde für die nationalistischen Terroristen aus dem eigenen Lager – die mörderische Gewalt fühlt sich legitimiert.

Der ungleiche Tausch hat mit diplomatischer Annäherung nichts zu tun. Israels Kontraktpartner war nicht die Arafat-PLO, die Arabiens moderate Herrscher in die festgefahrenen Friedensbemühungen einspannen wollen, sondern das Volksfront-Generalkommando des Achmed Dschebril, der die Gesprächsbereiten im eigenen Lager mit Attentaten verfolgt. Die militanten Palästinenser fühlen sich jetzt als Sieger, gleichermaßen über die Gemäßigten wie über den zionistischen Feind.

Es gibt keine Alternative – mit dieser Formel begründeten israelische Politiker oft außenpolitische Härte. Jetzt muß Schimon Peres mit diesem Spruch umgekehrt Nachgiebigkeit rechtfertigen. Der humanitäre Akt setzt Israel der Erpressung aus und bringt den Frieden nicht näher. Seine ärgsten Feinde – die Bombenleger und ihre politischen Drahtzieher – dürfen sich ermutigt fühlen. HJG