Spät kommt er, der neue Personalausweis, und später als geplant, nämlich frühestens Ende 1986. Doch wie er kommen wird – fälschungssicher und maschinenlesbar – das ist noch sehr die Frage, nicht nur zwischen Koalition und Opposition, sondern auch zwischen Polizisten und Datenschützern. Denn um das scheckkartengroße Plastikstück läßt sich zu Recht streiten.

Fälschungssicher möchten ihn die Hüter der inneren Sicherheit, weil zu viele falsche Personalausweise im Umlauf seien. Ihr Wunsch ist verständlich, gleichwohl wenig realistisch. Fälschen, also nachahmen, läßt sich alles, und selbst beim lieben Geld nimmt so mancher eine Blüte zum Nennwert. Wenn der neue Ausweis "verfälschungssieher" würde, wäre schon viel gewonnen.

Maschinenlesbar sollte er freilich auf keinen Fall werden. Ohne Zweifel würde ein Maschinchen, das die Karte automatisch liest und die Guten passieren und die Schlechten festnehmen läßt, die Arbeit der Polizei und des Grenzschutzes erleichtern. Doch zu groß würde die Versuchung, dieses universale Ausweismittel für alle möglichen Zwecke zu erfordern und das "informationelle Selbstbestimmungsrecht" qua einfachem Bundesgesetz noch weiter zu beschneiden. Bis jetzt darf jeder Bürger frei entscheiden, ob er einen Ausweis bei sich trägt oder im Fall der Fälle zur Identifizierung mit auf die Wache geht. Dabei sollte es auch bleiben. Denn die Maschinenlesbarkeit führt in ihrer Logik unweigerlich zu einem Gesetz, das zum Mitführen der Plastikkarte zwingt – weil anders der neue Ausweis sinnlos wäre. H. B.