Von Heinz Blüthmann

Eberhard von Kuenheim kann von Haus aus über einen charmanten Intellekt verfügen und zudem über jenen feinen Humor, der bis zum Zynismus reicht. Die Fähigkeit, frei und druckreif zu reden, gilt in seiner Branche auch nicht als selbstverständlich – das machte ihn zum interessantesten Sprecher der deutschen Autoindustrie.

Sein Unternehmen, die Bayerischen Motoren Werke (BMW), führte er in 16 Jahren aus "kleinen Verhältnissen" zu einem Hersteller mit Weltgeltung. Eberhard von Kuenheim ist nicht nur ein erfolgreicher, sondern international auch der dienstälteste Automobilboß – das hat ihn selbstsicher gemacht.

Die Autos mit dem weiß-blauen Traditionsemblem an Bug und Heck forderten die Modelle des Erzrivalen Daimler-Benz in aller Herren Länder erfolgreich heraus – das hat den BMW-Chef weltläufig gemacht.

In letzter Zeit allerdings übertreibt er es damit ein wenig.

Jüngst gefragt, ob er es nicht bedenklich fände, daß gegenwärtig siebzig Prozent der BMW-Produktion, ein höherer Anteil als je zuvor, exportiert wird, antwortete von Kuenheim dem Fachblau Auto Motor und Sport doch tatsächlich: "Nein, für die Automobilindustrie gibt es heute nur noch den Weltmarkt, und es gibt keinen Provinzmarkt."

Die Bundesrepublik nur noch ein "Provinzmarkt" für BMW? Gelten nicht mehr wie bisher die Absatzsiege beim deutschen Autokunden – dem anspruchsvollsten und auch tempobewußtesten in der Welt – als Basis und Schlüssel zum Exporterfolg? Oder anders, zugespitzter: Sind deutsche BMW-Käufer plötzlich bloß Provinzler?