Seit der Wahlniederlage der CDU in Nordrhein-Westfalen macht in Bonn ein neues Wort die Runde. "Investitionsfördernde Maßnahmen" heißt die Zauberformel, mit der die Regierungsparteien offensichtlich versuchen wollen, die Wählerstimmung bis zur Bundestagswahl im Februar 1987 wieder für sich zu gewinnen. Zwar weiß noch niemand genau, was sich hinter dem Schlagwort konkret verbirgt, doch eines ist sicher: Die Bonner Wortschöpfer können damit nicht viel anderes meinen als das, was im allgemeinen Sprachgebrauch mit dem Begriff Konjunkturprogramm beschrieben wird. Konjunkturprogramme freilich sind unter Marktwirtschaftlern verpönt. Das Kind mußte also einen neuen Namen haben. "Man kann es von mir aus auch Hugo nennen", meint der SPD-Politiker Wolfgang Roth, "wenn die Bundesregierung nur auf eine aktive Beschäftigungspolitik einschwenkt."

Programme – auch Steuererleichterungen – kosten Geld – egal welchen klingenden Titel sie bekommen. Und Finanzminister Gerhard Stoltenberg wehrt sich noch immer vehement dagegen, seine Sparpolitik aufzugeben. Doch wie lange wird er dem Druck aus den eigenen Reihen noch standhalten können? Selbst Franz Josef Strauß fordert inzwischen lautstark Hilfen für die Bauwirtschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und ein "Sparen mit Augenmaß" Das große Problem der Arbeitslosigkeit jedenfalls wird die Regierung bis zum Wahltermin 1987 nicht mehr loslassen. Um dann eine Chance zu haben, müssen die Christliberalen zumindest spektakuläre Aktionen vorweisen können. Das meinen auch immer mehr Unions-Politiker.

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Mit ihrem Mitglied Norbert Blüm hat die IG Metall wahrlich ihre Last, Denn der Bundesarbeitsminister hält mit seiner Kritik an vielem, was die Kollegen der größten Einzelgewerkschaft der Welt tun, nicht hinterm Berg.

In einem Brief an den "sehr geehrten Herrn Vorsitzenden" und "lieben Kollegen Mayr" beschwert sich der Minister über eine Aktion des Bezirks Stuttgart zum "Widerstand gegen Sozialabbau". Der IG Metall, meint Kollege Blüm süffisant, sei dabei "die Konstruktion eines Modell-Arbeitnehmers – wahrscheinlich der Prototyp einer neuen IG-Metall-Generation –" gelungen, "der gesund ist und Arbeitslohn erhält und zur gleichen Zeit krank ist und Krankengeld bezieht".