Die Zeit der leichten Siege ist vorbei – Im Vorfeld des Bundesparteitags in Hagen streiten

sich "Realos" und "Fundis" über ein neues Erfolgsrezept

Totgesagt wurden die Grünen immer von den anderen. Jetzt rufen sie selber nach der letzten Ölung. Seit dem Düsseldorfer Debakel steckt die Ökopartei in der tiefsten Krise seit ihrer Gründung. Ober-Realpolitiker Joschka Fischer: "Es geht an die Existenz.

Das Ende hat man den Grünen erstmals prophezeit, als sie sich gründeten – am 17. März 1979. Fortan wurde innen der Totenschein nach jedem Parteitag ausgestellt. Mal von den Sozialdemokraten – sie wollten die lästige Konkurrenz wegharken; mal von den Christdemokraten – sie wähnten die bunte Truppe nach Belieben in der geistigen Nähe von Terroristen oder Nationalsozialisten. Wunschdenken: Denn von Wahl zu Wahl heimsten die Grünen mehr Stimmen ein. Der Aufwärtstrend schien unaufhaltsam – bis zur Schlappe im Saarland. Die mochte die junge Partei noch als Ausrutscher hinnehmen, doch seit der Wahl in Nordrhein-Westfalen steht fest: Die Grünen sind in eine Krise geraten, deren Ende nicht abzusehen ist.

"Wir sind die Alternative zu den herkömmlichen Parteien." So beginnt das Bundesprogramm der Grünen. Doch Anspruch und Wirklichkeit sind zweierlei. "Diese Partei verfügt über die größten Dummköpfe dieser Republik. Sie beschäftigen sich nur noch mit ihrem miesen Kleinkrieg", wettert der nordrhein-westfälische Grüne Michael Merkel.

Kleinkrieg? Wohl eher ein Glaubenskrieg – zwischen "Realpolitikern" und "Fundamentalisten", die nicht nur um die Führung der 35 000 Mitglieder starken Partei kämpfen, sondern sich am liebsten gegenseitig ausschalten würden, einander im Bundesvorstand schon mit strafrechtlichen Konsequenzen drohen, weil sie sich wechselseitig beleidigt fühlen.

Je mehr die "Fundis" darauf beharren, daß es keine richtige grüne Politik im falschen politischen System geben kann und deshalb nur mit fundamentaler Opposition und Verweigerung langfristig eine Mehrheit für wirklich radikale Veränderungen zu gewinnen sei, um so monotoner fordern die "Realos" Bündnisse mit der SPD, um rechte Regierungen zu verhindern und sichtbare realpolitische Erfolge vorzuweisen. Verharren in der Kritik und die Weigerung, Verantwortung zu tragen, treibt – das glauben die Realos – grüne Wähler zurück zur SPD.