Das väterliche Auto stand im Stau. Und das stank den Geschwistern Christian und Sabine Schlegel aus dem baden-württembergischen Dorf Unterhausen im wahrsten Sinne des Wortes.

Während sogar der Vergaser gefilterte Luft schluckt, empörten sich Bruder und Schwester, atmen Pkw-Insassen Schadstoffe pur: "In der gesamten Umweltdiskussion wurde die Auswirkung der Schadstoffe des Autoverkehrs auf den Wald hin untersucht." Vor lauter Wald wurde der Mensch im Auto übersehen. Dabei bestätigte eine Studie des ADAC aus dem Jahr 1984, daß etwa Taxifahrer nach fünf Stunden Dienst in der Innenstadt in ihren Karossen gefährliche Kohlenmonoxid-(CO-)Konzentrationen einatmen.

Der 17jährige Gymnasiast Christian und seine zwei Jahre jüngere Schwester Sabine werteten nicht nur einschlägige Fachliteratur aus, sie handelten. Ein Jahr lang experimentierten und tüftelten die beiden. Dann stand er vor ihnen: ein quadratischer Holzkasten mit 35 Zentimeter Kantenlänge, neun Zentimeter dick und mit einem Ventilator obenauf.

Ihr Filtersystem zur "Verbesserung der Luftqualität im Kfz-Innenraum" testeten die Geschwister im väterlichen Auto. Sie verbanden den Kasten auf dem Rücksitz über Schläuche mit der Entlüftungsanlage. So ausgerüstet, fuhr der Vater jeden Tag zur Arbeit. Vor dem Einbau des Filters betrug der Anteil des giftigen Kohlenmonoxids im Wageninneren bei Stadtfahrten zwischen zehn und 250 Teile pro Million Luftteile (im englischen Fachjargon Parts per million oder kurz ppm genannt). Nach Einbau des Filters registrierte Sabine erfreut Werte zwischen null und zehn ppm. Auf Landstraßen und Autobahnen verschwand das CO völlig im Kernstück des Filterkastens: dort wandelt ein chemisches Gemisch (Hopcalite) als Katalysator giftiges Kohlenmonoxid in ungiftiges Kohlendioxid um.

Auch die Stickoxide in der Wageninnenraumluft verschwinden in dem Filter der Geschwister – ein Trick, der mit Aktivkohlefallen gelingt, vor die Trockenmittel geschaltet sind. Als letzten der drei kreisförmig angeordneten Filterringe wählten Christian und Sabine einen ganz gewöhnlichen Papierfilter. Er hält Straßenstaub ab, der Blei, Cadmium oder Asbest von abgenutzten Bremsbelägen und Reifen enthalten kann. Über längere Zeit eingeatmet, können die Schadgase und Giftpartikel eine Gefahr für die Gesundheit von professionellen Dauerfahrern sein.

Anfang Mai mußte Vater Schlegel eine Woche lang auf seine saubere Atemluft im Auto verzichten. Sabine und Christian präsentierten ihren Filterkasten in Berlin auf dem 20. Bundeswettbewerb "Jugend forscht"*. Dort gewannen sie den mit 3000 Mark dotierten "Sonderpreis Arbeits weit". Die Geschwister gehörten zu den 2460 Mädchen und Jungen, die sich in diesem Jahr für den naturwissenschaftlichen Wettstreit anmeldeten: eine Rekordteilnahme zum Jubiläumsjahr.

"Jugend forscht" begann 1965, als der ehemalige Stern-Chefredakteur Henri Nannen eine Idee aufgriff, die Thomas von Randow, Wissenschaftsredakteur der ZEIT, aus den Vereinigten Staaten mitgebracht hatte. Dort gab (und gibt) es für den naturwissenschaftlichen Nachwuchs sogenannte Science Fairs, "Wissenschaftsmessen", für junge Leute.