Unmittelbar nach der Rückkehr von der Wattwanderung informierte Rüdiger Kock Büsums Bürgermeister Horst Neumann über den Vorfall. Ein erster Anruf bei der Waffen-Erprobungsstelle brachte keine Aufhellung, im Gegenteil, es wurde vernebelt: Das von der Gruppe wahrgenommene surrende Geräusch könnte vom Ostwind verursacht worden sein, wiegelte man dort treuherzig ab. Rüdiger Kock: "Die Bundeswehr leugnete hiermit den Vorfall."

Er gab sich mit der Antwort nicht zufrieden und verfaßte ein Erlebnisprotokoll, das von 24 Exkursionsteilnehmern unterschrieben wurde. Bürgermeister Neumann schickte das Protokoll mit den Unterschriften zur Erprobungsstelle mit der Bitte um Aufklärung.

Zugleich vereinbarten die Schutzstation Wattenmeer und die Gemeinde Büsum, den Vorfall zunächst nicht an die Öffentlichkeit zu bringen, um, wie Rüdiger Kock meinte, "die Bundeswehr nicht von vornherein in eine Argumentationsnot zu bringen, die zu einer eventuellen Leugnung des Vorfalls geführt hätte".

Knapp einen Monat später, Ende April, erhielt Bürgermeister Neumann Post aus Koblenz, vom zuständigen Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung. Ein militärisch knapp gehaltener Brief bestätigte: "Die Beobachtungen der Exkursionsteilnehmer entsprechen den Tatsachen. Der Fehlschuß ist auf einen unbeabsichtigten Weitschuß aufgrund eines Schießfehlers zurückzuführen. Die Verursacher werden zur Verantwortung gezogen."

Tags zuvor hatte bereits der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Austermann den Vorfall gegenüber Journalisten erwähnt und damit einen regelrechten Sturm in der Öffentlichkeit entfacht. Die Waffen-Erprobungsstelle geriet wieder einmal in das Kreuzfeuer der Kritik.

Dabei sind die Schießversuche in der Meldorfer Bucht schon immer umstritten gewesen. Bürgermeister Neumann: "Die Gemeinde Büsum hat sich von Anfang an dagegen gesträubt. Daß nun so etwas passiert, haben wir aber nicht für möglich gehalten."

Der Bürgermeister fürchtet vor allem negative Auswirkungen auf den Fremdenverkehr in seinem Nordseeheilbad, sprechen doch die Husumer Nachrichten bereits von "Abenteuerurlaub zwischen Wattenwurm und Waffentest".