Auch die Tier- und Umweltschützer protestieren unentwegt gegen die Störungen im Naturschutzgebiet, und die Krabbenfiscner sind ebenfalls sauer: etwa ein Drittel des Jahres ist das wichtige Fanggebiet in der Sperrzone für sie tabu. "Jedes Jahr habe ich 20 000 Mark Verlust durch diesen Mist", schimpft Fischer Heinz Hamann.

Für zusätzlichen Sprengstoff sorgt die Hubinsel "Barbara", die zeitweise vor der Meldorfer Bucht im Meer liegt und von der aus über die Vogelinsel Trischen hinweg versuchsweise Schüsse in Richtung Festland abgefeuert werden.

Der jüngste Vorfall stärkt zudem Spekulationen im Landkreis Dithmarschen, die Bundeswehr und die auf der Erprobungsstelle arbeitenden privaten Rüstungsfirmen nähmen es häufig nicht so genau mit der Sperrzone und richteten ihre Geschütze auch gerne mal in andere Richtungen. Der einzige Bewohner auf Trischen, der Voeelwart Peter Todt, weiß allein von sieben unerlaubten Weitschüssen zu berichten, die er Mitte März habe beobachten können.

Das Bundesverteidigungsministerium weist diese Vermutungen und Vorwürfe nachdrücklich zurück. Anfang Mai eilte Staatssekretär Peter Kurt Würzbach selbst an die Westküste, um vor Ort die erregten Gemüter wieder zu besänftigen. Auf einer eigens zu diesem Thema einberufenen Pressekonferenz in Meldorf versicherte Würzbach den anwesenden Journalisten und interessierten Bürgern: "Wir haben überhaupt nichts zu verbergen", und er schlägt mit beiden Händen sein Jackett zur Seite, um sinnbildlich die weiße Weste des Ministeriums zu zeigen – ein hellblaues Hemd.

Vor dem Staatssekretär liegt eine große Karte des Wattengebietes, auf der er mit zwei schwarz umrandeten rosa Pfeilen demonstriert, wie die abgefeuerten Testgeschosse fliegen sollten, und es "nach menschlichem Ermessen" auch immer tun.

Was da am 26. März in der Meldorfer Bucht geschah: "Das war der dümmste Fehler, der überhaupt passieren konnte." Irrtümlicherweise hätten die Waffentester bei einem der Versuche eine viel zu starke Treibladung verwendet – das Geschoß flog daher nicht nur vier, sondern zwölf Kilometer weit, über das Sperrgebiet hinaus, den Büsumer Hauptbadestrand hinweg und vor die Füße der Wattwanderer.

Ein außerordentlich bedauerlicher Vorfall, meint Peter Kurt Würzbach, aber, menschliches Versagen könne eben nie ausgeschlossen werden: "Sonst hätten wir keinen Verkehrsunfall auf der Straße, da ist ja auch alles geregelt." Also: Gurtpflicht auf der Straße, Stahlhelmpflicht für’s Watt?