DIE ZEIT

Frisch geholzt ist halb verloren

Es fegt eine Art von Föhn durch die Republik. Die Nerven der Politiker sind aufgerauht; Gereiztheit schafft sich in polemischen Ausfallen Luft; Rufmörder sind mit Totschlagworten unterwegs und zählen, angesichts der Wetterlage auf mildernde Umstände.

Bauern-Fang

Seit es die EG gibt, ist die Agrarpolitik ein Ärgernis. Sie kostet Unsummen, verursacht Produktionsüberschüsse, schröpft die Verbraucher mit überhöhten Preisen, belastet die Umwelt, stört den Welthandel mit Agrarprodukten und macht die Bauern unzufrieden.

Zur Unzeit

Natürlich nicht. Sie haben beide nur jene Zwickmühle deutscher Politik verdeutlicht, die sich daraus ergibt, daß von den beiden Zielen der Grundgesetz-Präambel, "Einheit und Freiheit Deutschlands", in der Realität allenfalls eines zu erreichen sein mag – und daß wir vielleicht die Einheit drangeben müssen, um die Freiheit der Ostdeutschen zu erreichen.

Kind im Brunnen?

Die Deutschen haben uns einen bösen Streich gespielt – mit diesem herben Vorwurf hat nun auch der französische Ministerpräsident Laurent Fabius seiner Enttäuschung über den Bundeskanzler freien Lauf gelassen.

Lustbarkeit

Was ist ein Gebraxtwagenverkäxfer? Einer jener Gebrauchtwagenverkäufer, der den Kunden ein X für ein U vormacht. Und das ist nicht einmal die gelungenste Scherzverdrehung eines soeben erschienenen "Anti-Sprichwörter"-Buchs (Gesellschaft für deutsche Sprache, Wiesbaden): einer Papierkaskade der herrlichsten Umkehrungen, Bösartigkeiten, Blinzelkassiber.

Zeitspiegel

"Der Freund der SS soll heute sterben", schrien Anhänger von Andreas Papandreous Pasok auf einer Wahlkundgebung. Sie meinten Oppositionsführer Kostas Mitsotakis.

Worte der Woche

"Unsere Demokratie hat nur eine Chance, wenn sie endlich das Gift ausschwitzt, das der mit Abstand perfideste Politiker dieser Republik genau dosiert in unsere geistig-politische Nahrung träufelt.

Der Präses und der Populist

Temperament, Erfahrung und Eigensinn haben es Richard von Weizsäcker immer nahegelegt, Helmut Kohl in Schutz zu nehmen. Jetzt macht sich der Präsident das, wenn vom Kanzler die Rede ist, erst recht zum Prinzip.

Austausch

Werden israelische Zivilisten als Geiseln genommen, läßt die Regierung in Jerusalem sich nicht erpressen. Dieser harte Grundsatz gilt nicht für Soldaten in Feindeshand.

Ausweitung

Spät kommt er, der neue Personalausweis, und später als geplant, nämlich frühestens Ende 1986. Doch wie er kommen wird – fälschungssicher und maschinenlesbar – das ist noch sehr die Frage, nicht nur zwischen Koalition und Opposition, sondern auch zwischen Polizisten und Datenschützern.

Wolfgang Ebert: In Treue fest

Das ist jetzt nicht die Stunde, ihn zu verspotten. Das wäre nicht fair. Jetzt sollten wir alle ganz lieb zu ihm sein. Er braucht das, braucht unsere Nähe, Wärme nach all dem, was ihm widerfahren ist.

Krise des Auswärtigen Dienstes: Bald ist der Lack ab

Wäre es nach der Allparteien-Koalition im Auswärtigen Ausschuß gegangen, so hätte der Bundestag an diesem Donnerstag seinen Blick über den Tellerrand unmittelbarer Aktualitäten gerichtet: auf die Reform des Auswärtigen Dienstes.

BONNER BÜHNE: Wolkenbruch der Worte

Der Kanzler, er redet und agiert seit Nordrhein-Westfalen wie unter Zwang. Wer ihm nach der Landtagswahl das eine oder andere Mal zuhören, ihm zusehen, ihn beobachten kann, der erlebt Helmut Kohl in Hochform, aber in einer merkwürdigen.

Königswinter ist ihr Werk

In dieser Woche begeht Lilo Milchsack ihren 80. Geburtstag. Wenigen Menschen ist es vergönnt, Dir Lebenswerk während fast 40 Jahren so stetig und kontinuierlich wachsen zu sehen: Die Deutsch-Englische Gesellschaft, die 1949 von ihr und einigen politisch engagierten Freunden gegründet und von Sir Robert Birley tatkräftig unterstützt wurde, hat in der Tat ständig an Bedeutung zugenommen.

Nordirland: Polarisierung

Rund ein Drittel der katholischen Bevölkerungsminderheit entschied sich für eine Gruppierung, die aufs engste mit der IRA verflochten ist.

Sudan: Unerwarteter Gast aus Libyen

Als der starke Mann im Sudan noch Dschafar Numeiri hieß, rief Libyens Revolutionsführer Ghaddafi die Sudanesen. immer wieder zum Sturz des mit Ägypten und Amerika verbundenen Generals auf; Numeiri entging mehreren von Libyen gesteuerten Umsturzversuchen.

Philadelphia: Schockwellen einer Bombe

Um eine radikale Kultgruppe zum Verlassen ihres verbunkerten Hauses zu zwingen, ließ der Polizeichef von Philadelphia aus einem Hubschrauber eine handgefertigte Bombe abwerfen.

Vater, Mutter, Bruder tot: Morde aus Habgier?

Nievenheim ist ein kleines, beschauliches Städtchen mit 5700 Einwohnern zwischen Düsseldorf und Köln. Hier kennt man noch seine Nachbarn, geht es nicht so anonym zu wie in der Großstadt.

Wahlschlappe: Nur sieben Apostel

Die Sekretärin in der CDU-Fraktionsgeschäftsstelle des Düsseldorfer Landtags bricht in Gelächter aus: Da ruft einer an und will wissen, ob es denn irgendwo einen Wahlkreis gebe, in dem die Union bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen keine Stimmeneinbußen erlitten habe.

Schießübungen: Helm auf im Watt

Am 26. März um 9 Uhr 33 hatte Rüdiger Kock draußen vor dem Büsumer Badestrand im Dithmarscher Watt eine Erscheinung der übergeordneten Art: Gerade war er dabei, einer Gruppe von Wattwanderern die Schönheit dieser einzigartigen Naturlandschaft zu erläutern, da vernahm er ein surrendes Geräusch in der Luft.

Stimmenfang als Programm

Der Vergleich mit einem Ameisenhaufen wäre unfair – gegenüber den Tieren. Denn mag das Hin- und Hergerenne für den Außenstehenden nach Hektik und Planlosigkeit aussehen, so herrscht doch eine klare Ordnung und Arbeitsteilung in diesem Kleinstaat.

BMW im Rückspiegel

Eberhard von Kuenheim kann von Haus aus über einen charmanten Intellekt verfügen und zudem über jenen feinen Humor, der bis zum Zynismus reicht.

Die Dreißig-Prozent-Lösung

Die Daimler-Benz AG und Claudius Dornier haben sich am Mittwoch vergangener Woche über die Übernahme der Mehrheit des Luft- und Raumfahrtkonzerns Dornier GmbH durch den Stuttgarter Automobilbau-Konzern geeinigt.

Tradition verpflichtet

Es war der 101. Geburtstag des Firmengründers Claude Dornier, als die Dornier-Werke aufhörten, ein Familienunternehmen zu sein.

Bonner Kulisse

Seit der Wahlniederlage der CDU in Nordrhein-Westfalen macht in Bonn ein neues Wort die Runde. "Investitionsfördernde Maßnahmen" heißt die Zauberformel, mit der die Regierungsparteien offensichtlich versuchen wollen, die Wählerstimmung bis zur Bundestagswahl im Februar 1987 wieder für sich zu gewinnen.

Investionen: Wenig Trost

Die Bundesbank sagt es auf nüchtern-zurückhaltende Weise. "Von der Eigenfinanzierung her", so schreibt die Notenbank in ihrem jüngsten Monatsbericht, "dürften jedenfalls gute Voraussetzungen gegeben sein, daß sich die Investitionstätigkeit der Wirtschaft auch im laufenden Jahr kräftig entfalten kann.

Höchststimmrecht: Macht ist Geld

Die Aktionäre der Industrie-Werke Karlsruhe Augsburg AG (IWKA) sollen auf der kommenden Hauptversammlung die Einführung eines auf zehn Prozent des Aktienkapitals begrenzten Höchststimmrechts beschließen.

Überstunden: Ist Mehrarbeit asozial?

Die Vorwürfe häufen sich, daß durch Überstunden Arbeitsplätze vernichtet werden. Selbst das Bundeskabinett forderte in jüngster Zeit die Arbeitgeber auf, statt Überstunden zu verlangen, mehr Arbeitnehmer einzustellen.

Versicherungsmarkt: Die Gentlemen werden zur Kasse gebeten

Die Lutine-Schiffsglocke über dem Podium des riesigen, imposanten und geschäftigen Underwnting Room von Lloyd’s in der Londoner City wird heute nur noch bei zeremoniellen Anlässen angeschlagen, wenn zum Beispiel die Königin-Mutter, Ehrenmitglied dieser Vereinigung von Versicherern, einen Besuch abstattet.

Europäischer Agrarmarkt: Bonn hat sich ins Abseits manövriert

Die Europa-Politik dieser Bundesregierung ist so unklar und schwer verständlich, daß gleich zwei Beamte, einer in Brüssel und einer in Bonn, den Journalisten erläutern mußten, was Landwirtschaftsminister Ignaz Kiechle eigentlich getan und was er nicht getan hatte.

Das Rentensystem muß reformiert werden. Arbeitsminister Blüm will am Prinzip der Rente nach Beitrag nicht rütteln. Doch nach den Grünen plädiert nun auch ein der CDU nahestehender Experte in drei Beiträgen für die ZEIT zugunsten einer staatlichen Grundrente.: Einheitlich, doch nicht total

Wer in den zurückliegenden Jahrzehnten darauf vertraute, in der Bundesrepublik werde eine vorausschauende oder auch nur rationale Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik betrieben, wurde oft genug enttäuscht.

ZEITRAFFER

Der Konjunkturaufschwung, so stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin fest, wird in der Bundesrepublik auch im zweiten Quartal anhalten.

Erster Schritt ins Risiko

ZEIT: Frau Breuel, Niedersachsen hat im Bundesrat einen "Gesetzesentwurf zur Förderung von Arbeitnehmerbeteiligungen am Produktivvermögen" vorgelegt, mit dem die Vermögensbildung weiterentwickelt werden soll.

LÄNDER IM VERGLEICH

Die Bonner CDU/FDP-Regierung bekam es bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen zu spüren: Die unverändert hohe Arbeitslosigkeit brennt den Bürgern und Wählern unter den Nägeln.

MANAGER UND MÄRKTE

Im Februar dieses Jahres platzten die Manager des zweit- und des drittgrößten deutschen Reiseunternehmens mit ihrer Sensation heraus: Die Karstadt-Tochter NUR und der Kaufhof-Ableger ITS wollten zu einem einzigen Reisekonzern fusionieren.

Abbau der Sozialleistungen

1982: Abkopplung der Erhöhung der Regelsätze nach dem Bundessozialhilfegesetz von der allgemeinen Preissteigerungsrate. Die Folge: Die Sätze stiegen 1982 um drei Prozent, die Inflationsrate aber lag bei 5,5 Prozent.

Ge Lixi aus dem Kohlenpott

Städtepartnerschaft: Duisburg erprobt eine neue Art der Zusammenarbeit mit der chinesischen Stadt Wuhan

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